Mittwoch, 25. Juli 2007

Johannes Baptista Friedreich: Geschichte des Räthsels


Friedreich, Johannes Baptista: Geschichte des Räthsels
Dresden, Verlagsbuchhandlung von Rudolf Kunze 1860, 248 Seiten










Kategorie: Buchstaben-, Silben- und Wortpalindrome
Art: Erläuterung mit Beispielen

An diesem Buch sieht man, dass auch die Begriffsverwirrung um Palindrome Tradition hat. Bis in die heutige Zeit ist eine Unsicherheit in der Frage zu beobachten, ob sich beim Rückwärtslesen nur gleiche oder auch andere Bedeutungen ergeben können. Insofern wundert es nicht, dass auch Baptista dafür eine Fallunterscheidung trifft: Palindromfragmente wie Sarg | Gras, die für sich gelesen andere Bedeutungen ergeben, nennt er hier Buchstabenanagramme. Als Palindrome im eigentlichen Sinn definiert er die gleichbleibenden Wörter, wie stets und neben. Ein Auszug von Seite 25 bis 28:

§11. Eine fernere Variation des Worträthsels besteht darin, daß das Wort von vorwärts und rückwärts gelesen werden soll. Je nachdem sich nun dadurch entweder ein anderes Wort ergiebt, oder dasselbe Wort bleibt, haben wir zwei Arten dieser Variation des Worträthsels, nämlich 1. das Anagramm und 2. das Palindrom.

1. Das A n a g r a m m (von ανα, rückwärts, und γραμμα, Buchstabe) giebt zur Aufgabe, daß das Wort von vorwärts und rückwärts gelesen werden soll, wobei sich aber durch das Rückwärtslesen ein anderes Wort ergiebt. Es lassen sich zwei Arten des Anagramm unterscheiden, je nachdem entweder a. das ganze Wort nach seinen einzelnen Buchstaben rückwärts gelesen werden soll, das Buchstabenanagramm, oder b. es soll die einzelnen Silben des Wortes rückwärts gelesen werden, das Silbenanagramm.

a. Das B u c h s t a b e n a n a g r a m m ist jenes, wo die einzelnen Buchstaben des Wortes in der Reihenfolge, wie sie stehen, rückwärts gelesen werden. Beispiele von Th. Körner (Nr. 1), Th. Hell (Nr. 2) I. A. Appel (Nr. 3).
1.
Still empfangen im zarten Keime
Tritt es hervor in des Himmels Räume,
Und es formt sich zur blühenden, schönen Gestalt;
Und die Gottheit segnet's mit heiliger Weihe,
Daß es im Drange der Zeiten gedeihe,
Und es reift mit des Wesens dunkler Gewalt:
Zwar muß es endlich vergehn und erkalten,
Und sinken muß es zur gräulichen Nacht;
Doch strahlt es verjüngt durch des Grabes Spalten
Im neuen Frühling mit seliger Pracht.
Liest du es rückwärts, ein Kind der Erde
Umarmt es die Mutter mit trüber Geberde,
Still widerstrebend dem frühen Strahl;
Und wie des Mädchen rosige Wangen
Ein Schleier umflattert mit zartem Verlangen,
So webt es sich innig um Berg und Thal.
Doch glühender wächst die Flamme der Sonnen,
Und es fliegt zerstreut durch das bläuliche Haus;
So ist das Räthsel zur Klarheit zerronnen,
Sprichst du der Deutung Zauberwort aus.
?

2.
Liebliche Gaben bring' ich dir,
Nahest du dich von vorne mir.
Aber von hinten gelesen,
Bin ich ein wildes Wesen,
Erst getödtet zu gebrauchen,
Wenn die Schüsseln von mir rauchen.
?

3.
Wenn froh die Mutter bricht des Todes Bande,
Der sie mit kaltem Arm fest hielt umfangen;
Wenn sie, befreit von weißem Grabgewande,
Liebend erglüht von sehnendem Verlangen;
Wenn ihr der Bräut'gam naht vom fernen Lande,
Und Rosen küßt auf die erblaßten Wangen;
Dann ruft sie mich hervor, mit dichter Hülle
Deckende zu schirmen ihres Busen Fülle.
Und überall erglänzt das Prachtgeschmeide,
Gleich der Gestirne namenlosen Zahlen,
Auf ihrem bräutlich schön geschmückten Kleide;
Buntglänzend mischen sich des Lichtes Strahlen,
Mit Farben kann der Maler nicht, mit Seide
des Mädchens Hand, des Schmuckes Pracht nicht malen;
So leuchtet nicht in goldnen Fürstensälen
Der Perlen Thau, der Lichtglanz der Juwelen.
Was Leben athmet, freut sich meiner Schöne,
Die Mutter selbst kann nur durch mich beglücken;
Kann liebevoll die lebensfrohen Söhne
Nur an die Brust, die ich umhülle, drücken.
Verlaß ich sie, dann flieh'n der Freude Töne,
Und trauernd weicht frohsinn'ger Lust Entzücken;
Erbleicht sind ihre blüthenvollen Wangen,
In Fesseln liegt das Leben selbst gefangen.
Doch wendet sich die Reihe meiner Zeichen,
So steht vor dir ein düst'res Bild voll Grauen;
Wo ich erscheine, muß die Freude weichen,
Nie wird das Licht, wen ich umfange, schauen;
Den ernsten Tempel will aus mir das Schweigen,
Trophäen sich aus mir der Tod erbauen;
Mich ruft der Schmerz, und muß ich, rufend, hassen,
Doch steigt sein Leid, soll er mich von sich lassen.
Wohl prang' ich oft im reichgeschmückten Kleide,
Gleich nächtlicher Gestirne Silberstrahl,
Wohl glänzt auf mir der stolzen Pracht Geschmeide,
Wohl flammt um mich der Lichtglanz sonder Zahl:
Doch nicht zur Lust, er glänzt umflortem Leide,
Es weckt die Pracht nur tiefen Kummers Qual;
Entbehrt' ich selbst des Schimmers von Juwelen,
Wird mir der Thränen Perlenthau nicht fehlen.
Doch ist Erinn'rung mir nicht ganz verloren,
Wie aus der Mutter Leib ich einst entsproß,
Und, wie aus ihrem Schooß ich dort geboren,
Als sie zu kleiden ward mein schönstes Loos,
So bring' ich jetzt, was sie sich auserkoren,
Zur stillen Ruh' zurück dem Mutterschooß;
Dann wenden sich von Neuem meine Zeichen,
Du siehst sie jung dem stillen Schooß entsteigen.
?

b. Bei dem S i l b e n a n a g r a m m e werden die einzelnen Silben des Wortes rückwärts gelesen.
Ich lege des Abends mich nieder,
Bleib' gewöhnlich des Nachts in der Ruh';
Am Morgen erheb' ich mich wieder,
Den Reisenden dien' ich im Nu:
Ich trage die Farbe des Landes,
Bin meines Königs Knecht,
Und seist du weß' Ranges, weß' Standes,
Du mußt mir geben mein Recht.
Und machst du die Erste zur Zweiten,
Die Zweite zur Ersten mir,
Dann kannst du an mir dir weiden,
Dann sprech' ich im Bilde zur dir;
Bald drücket mich Sonnenschwüle,
Bald glänz' ich in Frühlingspracht,
Bald sind mir des Herbstes Gefühle
Bei meinem Anblick erwacht.
?

2. Unter P a l i n d r o m (von παλιν, rückwärts, und δρομος, der Gang, der Lauf) versteht man ursprünglich diejenige Art von Sätzen oder Versen, welche, man mag sie von der rechten Seite zur linken, oder von der linken zur rechten lesen, immer dieselben bleiben. Die Franzosen nennen sie vers retrogrades oder reciproques. So z.B. folgender Hexameter:
Signa te, signa, temere me tangis et angis.
Roma tibi subito motibus ibit amor.
Man hat auch solche Palindrome, wo selbst die einzelnen Wörter vorwärts und rückwärts gelesen sich gleich bleiben, z.B.
Odo tenet mulum, madidam mappam tenet Anna,
Anna tenet mappam madidam, mulum tenet Odo.
Das Räthsel nun, welches gleichfalls Palindrom genannt wird, bezieht sich auf ein solches Wort, welches vorwärts und rückwärts gelesen immer gleichlautend ist, z.B.
1.
Nimmer verändert es sich, selbst rückwärts bleibt es ein vorwärts;
Was man dem Worte verband, trotzet dem Sturme der Zeit.
?
2.
Drei Zeichen stark wirst du mich finden,
Auch laut' von vorn ich wie von hinten;
Und was ich nenne, kommt wohl nicht
Den Leuten häufig vor's Gesicht.
?
3.
Lies mich von vorne, lies mich zurück, ich mahne dich immer
An die Umgebung, an das, was an der Seite ist.

Oder auch so:

Vorwärts wie rückwärts, beständig verfehlt es die Mitte der Sache,
Nimmer erreichst du das Ziel, bleibst du dem Worte vereint.
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August Kahlert: Carl Schall's nachgelassene Reime und Räthsel


Kahlert, August (Hrg.): Carl Schall's nachgelassene Reime und Räthsel nebst des Dichters Lebenslauf
Breslau, Verlag von Graß, Barth & Comp. 1849, 269 Seiten









Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: volkstümliche Rätseldichtung

Darin enthaltene Palindrom-Rätsel:

67.
Ein keusches Mädchen läßt sich zwar sehr gern von mir umfassen,
Doch muß sie mich, dreht sie mich um, von Herzen flieh'n und hassen.
?
__________________

71.
Wer allzulang' auf mich beim Wirthe zehrt,
Macht diesen leicht mich umgekehrt.
?
__________________

95.
Eine Vorzeit zeig' ich an,
Bin dabei auch Weib und Mann;
Selten Rosen-Band und Bette,
Oefter Eisen-Bett udnd Kette,
Hölle bald, bald Himmelreich,
Vor- und rückwärts immer gleich.
?
__________________

96.
Mit zwei Schritten hast Du mich;
Dreh' mich um, so bleib' ich ich.
?
__________________

113.
Nach dem Verwunden
Wird verbunden,
Und die Verbindung nennt ein Wort;
Lies zurücke
Und erblicke
Was Macbeth war vor seines Königs Mord.
?
__________________

119.
Will der Tod in Feuergluth oder Wasserfluth Dich tauchen,
Kannst Du, lieber Leser, mich hülfreich vor- wie rückwärts brauchen.
?
__________________

136.
Zwiefach in der Welt Geschichten ward mir große Macht gegönnt;
Umgekehrt hab' ich, zwar winzig, noch ein größ'res Regiment.
?
__________________

149.
Gradaus
Gewinn ich in jedem Strauß;
Dreh ich mich um,
Spring' ich herum.
?
__________________

176.
Was einst aus einem Ei, das ich gelegt, gekrochen,
Hat viel durch selt'nen Reiz verbrochen;
Seh' ich den Krebsgang nun, so gelt' ich im Gemüth
Mehr, als wenn nur mein Glanz an einem Baume blüht.
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Carl Joseph von Adelsheim: 444 Charaden, Räthsel und dergleichen


von Adelsheim, Carl Joseph: 444 Charaden, Räthsel und dergleichen; nebst 100 Wortspielen von Carl Joseph von Adelsheim. Neue Lieferung.
Mergentheim, Thomm'schen Buchdruckerei 1846, 164 Seiten








Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: volkstümliche Rätseldichtung

Darin enthaltene Palindrom-Rätsel:

8 Palindrom
Drei Zeichen stark wirst du mich finden,
Auch laut' von vorn ich wie von hinten;
Und was ich nenne kommt wohl nicht
Den Leuten häufig vor's Gesicht.
?
__________________


18 Palindrom
Ich bin ein Schütz', wie Keiner mehr, –
Stets treffe ich das Herz,
Und schmerzt die Wunde noch so sehr,
Ist's doch ein süßer Schmerz.


Das ist nicht Alles noch von mir;
Nimm mich verkehrt, alsdann
Geb' eine große Stadt ich dir,
Und zwar Lateinisch, an.
?
__________________


31 Palindrom
Vor und rückwärts bin ich gleich,
Und lieb' sehr die losen Streich'.
?
__________________


97 Palindrom und Aenigma
Sowohl von vorn als auch von hinten
Gibt es dir einen Säbel an;
Nimm ihm den Kopf, so wirst du finden,
Dass es ein schöner Vogel dann.
?
__________________


181 Palindrom
Vorwärts lädt es dich zum Kaufen ein;
Rückwärts aber such's in einem Bein.
?
__________________


189 Palindrom
An vielen Möbeln ist's zu finden,
Auch öfters um den Leib; allein
Wenn man das Wörtchen liest von hinten
Wird's eine Hintergehung sein.
?
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197 Palindrom
Ich nenn' ein Laufen, dazu treibt
Es uns, wenn was pressiert;
Und für die Männer ist und bleibt
Verkehrt es eine Zierd'.
?
__________________


348 Palindrom
Man wird durch mich stets Hilfe finden;
Sowohl von vorn als auch von hinten.
?
__________________


373 Aenigma und Palindrom

Gieb, womit man dich nennt, in fremder Zunge an;
Nimm ihm den Kopf, es wird zur Vorbedeutung dann,
Und dies sagt, verkehrt, sogleich wer bei dir ist,
Wenn du mit dir allein in deinem Zimmer bist.
?
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402 Palindrom
Ich werd' genossen, werd' verbrannt,
Auch wird mit mir geschmiert;
Und werd' von Männern, umgewandt,
Als Name oft geführt.
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Herzlichen Dank an Otto Janko für den Hinweis auf dieses Buch! Das hier vorgestellte Exemplar befindet sich im digitalisierten Bestand der Google Buchsuche und ist dort vollständig online zugänglich.

Arendt: Räthselbuch


Dr. Arendt (Hrg.): Räthselbuch.
Sammlung von fast tausend Räthseln, Logogryphen, Charaden etc.
Hannover, bei George Beese 1846, 289 Seiten








Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: volkstümliche Rätseldichtung

Einige Auszüge daraus:

IV. Anagramme

2. Du fliehest mich, das Schreckenszeichen
Der Macht, die einst die Welt befahl?
Du flieh'st vor meinen blut'gen Streichen,
Den Todesopfern ohne Zahl?
Erkennst Du, schaudernd, denn nicht auch
Von mir den nützlichen Gebrauch?
Statt meiner ganz Dich zu erwehren,
Versuch' es nur, mich umzukehren,
Dann naht Dir Friede, Freud' und Glück.
Mein Zauberreiz wird stets gefallen
Ein Jeder läßt mein Lob erschallen,
Und Niemand weiset mich zurück.
?

4. Es war die Kraft der starken deutschen Mannen,
Wenn vorwärts man es lies't.
Lies, wie die Juden und Du sieh'st
Den Tummelplatz für Ellen, Pfund und Kannen.
?

11
. Zwei Sylben nennen Dir ein Land,
Das, sei es von Natur, sei es von Schicksalshand,
Gleich einer Brücke über's Meer geleitet,
Zu ungleich größern Ländern leitet.
Lies rückwärts - und für dieses Sylbenpaar
Stellt sich sofort nur eine Sylbe dar.
Sie nennt den größten der Regenten,
Denn je der Vorwelt ferne Söhne sah'n,
Ihn, aller Fürsten Ober-Chan,
Verehrte man mit stolzen Monumenten
Und hoher Hymnen Jubelklang,
Die Flamme seines Zorns verzehrte
Der Erde kühnste Nation,
Die ehemals mit verweg'nen Hohn
Sich wider den Gewaltigen empörte,
Er führte lang' der Herrschaft gold'nen Stab,
Und nur ein Wunderkind
Stürzt' ihn vom Thron herab.
?

12. Seht, wie des Kind's sie pflegt. dem, recht gesehen,
Sie eine zweite Mutter ist;
Kehrt um das Wort, so ist's das holde Wesen,
Das dafür wie ihr Kind sie küßt.
?

14. Verkauf auf's Recht, und von der Liebe Strahlen
Verklärt erscheinest Du?
Doch sprichst Du von Bezahlen,
Ruft man sein Anagramm Dir zu.
?

15. Vorwärts steig' ich vom Himmel hernieder,
Werde den Pflanzen ein kühlender Freund;
Rückwärts bin ich ein Sprößling der Erde,
Wo sie der Sonnenstrahl glühend bescheint.
?
_______________________

VI. Palindrome

2. Das Wörtchen von hinten und vorn gelesen,
Klingt gleich, doch ist's nie dasselbe gewesen;
Dem Einen war's Himmel und Freudenquelle
Auf Erden, dem Andern die schrecklichste Hölle.
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7. Ich morde die Mädchen, bin doch nicht verflucht,
Mach' selten ganz glücklich, bin doch stets gesucht;
Das Rechnen geht mir nur gar nicht ein,
Ich behaupte, daß Zwei stets Eines muß sein.
Betrachte mich vorne, betrachte mich hinten;
So wirst du an mir stets das Nämliche finden.
?

9. Lies mich von hinten oder vorn,
Ich klinge einerlei;
Durch meine langen Zähne wird
Das Feld von Unkraut frei.
Ich mache stets, was grob ist, klar,
Der Landmann braucht mich alle Jahre.
?

11. Was sieht man so fröhlich am Berge dort blüh'n,
Und rückwärts gelesen die Wälder durchzieh'n?
?

12. Leicht könnt ihr, wie ich heiße, wissen -
Ich bin das Ziel für Jung und Alt;
Ihr Alle ruh't in mir, sobald
Ihr umgekehrt in mich gebissen.
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15. Vergebens wirst Du suchen bei Wahrheit,
Mich aller Unwahrheiten Konterfei;
Der Wahrheit Freund, wirst Du in Ewigkeit
Nicht lieben mich. Erräth'st Du mich? Ei, ei!
Nun aber mußt Du kehren mich und wenden
Den Schwanz zum Kopfe hin, so wirst Du finden,
Es engt und schließt; bald um die Lenden,
Bald um den Leib trägst Du's, brauchst's auch zum Binden.
?

17. Von vorn gelesen bin ich pikant
Und werde oft laut auf den Straßen genannt,
Von hinten bin ich zu dienen bereit
Den Menschen, wie Thieren zur Sicherheit.
?

18. Mein Rechtes nimmt mit Schmerz und Scherz
Zuerst das Herz und dann die Hand;
Doch blos mit Schmerz nimmt's umgewandt
Zuerst die Hand und dann das Herz.
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20. Ich fülle Deines Körpers Haus
Mit Kraft und Leben Dir!
Doch sprichst du umkehrt mich aus,
So handelt man mit mir.
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Das hier vorgestellte Exemplar befindet sich im Bestand der Staatsbibliothek Berlin:
Signatur Yd3714.

Johann Traugott Schuster: Galanthomme


Schuster, Johann Traugott: Galanthomme oder der Gesellschafter, wie er sein soll. Eine Anweisung sich in Gesellschaften beliebt zu machen und die Gunst des schönen Geschlechts zu erwerben.
Quedlingburg/Leipzig: Ernst'sche Buchhandlung 1842, 265 Seiten







Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: Rätseldichtung

Aus dem Kapitel "Nüsse zum Aufknacken für schöne Zähne", S. 131f:

7.
Liebliche Gaben bring' ich dir,
Nahst du dich von vorne mir;
Aber von hinten gelesen
Bin ich ein wildes Wesen,
Erst getödtet zu gebrauchen,
Wenn die Schüsseln von mir rauchen.
?

13.
Der Mensch, für welchen man 1, 2, 3, 4 bestellt,
Der hat sein Thun vollbracht im Raume dieser Welt.
Weh ihm! war dieses Thun wie 2, 3, 4;
Viel besser wär' es dann, er bliebe hier.
Die Gnade Gottes sei für ihn erfleht,
Wenn 4, 3, 2 und 1 der Ort umweht,
In dessen Tiefe 1, 2, 3, 4 steht!
?

29.
Meistens versperre ich,
Umgekehrt ißt du mich.
?

30.
Ein schlankes Gewächs nennt mein Sylbenpaar dir,
Es spendet erquickenden Saft.
Von rückwärts gelesen, ein reißendes Thier,
Das herrliche Speise uns schafft.
?

59.
Bedrohet dich die Wuth der Wellen,
Die schon ein leckes Boot zerschellen,
So eil' und stürz' ich rasch hinein,
Um mich vom Tode zu befrei'n.
Umringt dich schon der Schwerter Menge,
So stieg' ich in des Feind's Gedränge
Und kämpfe gegen Kraft und List,
Bis du dem Tod entronnen bist.
Er läßt mich nur die Noth erkennen.
Sag' an, mein Freund, wirst du mich nennen?
Lies vorwärts oder rückwärts mich,
Mein Wort bleibt unveränderlich.
?


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Emil Tausch: Des guten Knaben Festgeschenk


Tausch, Emil: Des guten Knaben Festgeschenk.
Eine Reihe von Erzählungen, Mährchen, Gedichten, Charaden und Räthseln

Nürnberg, Verlag von Bauer und Raspe 1839, 208 Seiten







Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: Rätseldichtung


Auszug von Seite 198:

17.
Ein Logogryph


Trüb und düster schleicht es auf der Erde,
Und bedeckt mit einem dichten Schleier
Alle Schönheit der belebten Flur.
Auch den großen weiten Himmelsbogen
Mit dem strahlend glänzenden Gestirne
Das den großen Weltenraum erleuchtet,
Kannst du nicht bewundernd schauen.
Liest du rückwärts aber diesen Namen:
Alles Herrliche und Schöne
Hast du dann in einem kleinen Wort.
Durch die ganze Welt siehst du es ausgebreitet,
Lust und Wonne allerwärts erweckend.
Ohne dieses Wörtchen wäre sie
Kalt und grauenvoll - ein roher Klumpen,
Hingeschleudert in das weite All,
Gleich der ausgebrannten Schlacke eines Berges.
Ja, du selbst vermögtest nicht zu fühlen
Deines eignen Daseyns süße Lust.
?
E.W. Spieker


Das hier vorgestellte Exemplar befindet sich im Bestand der Universitätsbibliothek Braunschweig: Signatur 1007-3069. Als E-Buch liegt es dort auch in digitaler Form vor und ist vollständig online zugänglich.

Karl Jacht: Gedichte


Jacht, Karl: Gedichte.
nebst einem Anhange von Räthseln, Charaden, Logogryphen, Homonymen, Palindrome und Anagramme
Berlin, bei Th. Bade 1836, 223 Seiten








Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: volkstümliche Rätseldichtung

Auszug von Seite 210 - 212:

Palindrome

1.
Ich werde selten nur geachtet,
Denn Spott und Schläge sind mein Lohn;
Und mir zu gleichen Keiner trachtet,
Sein Loos ist sonst nur bitt'rer Hohn;
Und ward ich früher auch geschätzet,
Erzählt sogar die Schrift von mir:
daß ich ein ganz vernünftig Thier,
Und wen man einst auf mich gesetzet
Heg' ich deshalb doch keinen Stolz,
Demüthig ich einher stets schreite,
Bepackt mit schwerer Last, zur Seite
Den Führer, der mit hartem Holz
Mich unbarmherzig oft zerbläuet; -
Solch Loos harrt meiner bis zum Tod',
Und dann nicht endet meine Noth,
Noch härter sich oft erneuert.
Geraubt wird grausam mir mein Kleid,
Und Stunden lang darauf geschlagen,
Selbst, was gescheh'n in frühster Zeit,
Verkündet's noch in spätern Tagen. -
Doch werden viele meiner Brüder
Weit besser noch, als ich, genährt;
Von ihresgleichen noch geehrt,
Ist diesen nicht ihr Schrei'n zuwider,
Doch blicken sie - o unerhört -
Nur mit Verachtung auf mich nieder.
Wenn Du mich r ü c k w ä r t s angeschaut,
So werd ich Dir ein Wörtchen sagen,
Worauf, nach vielen heißen Tagen,
Der Winzer seine Hoffnung baut.
Ihn lohnt der Sonne strahlend glühen
Und dieses Wort wird dann ein Fest,
Wenn er den Preis von seinen Mühen
gesichert in den Kelter preßt.
?

2.
Roma's herrschende Macht, einst weltlich, jetzt geistlich gebietend,
Hat seit Jahrhunderten schon Ehre und Ruhm mir verlieh'n; -
Heilsam, nütztlich und schmackhaft erschein ich, nennst du mich r ü c k w ä r t s;
Bin selbst am heiligen Ort höheren Zwecken geweiht.
?

3.
Wüthend durcheil' ich die Flur, vernichtend die Saaten des Landmanns,
Oft nur ein Stückchen Metall hemmt die zerstörende Bahn;
Aber k e h r s t D u m i c h u m, umschling' ich die friedliche Hütte,
Und bin ein köstlicher Born, welchem der Frohsinn entquillt.
?

4.
Es ward einmal ein Gott zum Thier,
Um sich den Weg zu mir zu bahnen.
R ü c k w ä r t s gelesen, schätzt man es Ahnen,
Doch giebst Du Geld, bekömmst Du's dafür.
?

5.
Zu der Alpen höchste Spitzen
lenk' ich meinen kühnen Pfad; -
K e h r' m i c h u m - mich zu besitzen
Mancher Krieger sich erbat.
?

6.
Stets voller Heuchelei', bin ich nie wahr gewesen;-
Ich halt' und binde stets, wirst du mich r ü c k w ä r t s lesen.
?

7.
An Agathe

Dich kann nicht eitler Tand, nicht Modeschimmer blenden,
Denn thöricht wird man nur darin mein Wörtchen seh'n,
Ein kleines Veilchen kann, mehr als des Luxus Spenden,
Das u m g e k e h r t e W o r t, bei Dir, Agath', erhöh'n.
?


Das hier vorgestellte Exemplar befindet sich im Bestand der Staatsbibliothek Berlin:
Signatur Yn9081.

Theodor Körner: Sämmtliche Werke


Theodor Körner's Sämmtliche Werke.
Im Auftrage der Mutter des Dichters herausgegeben und mit einem Vorworte begleitet von Karl Streckfuß
Berlin, in der Nicolai'schen Buchhandlung 1834, 384 Seiten








Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art
: Rätseldichtung


Palindrom-Rätsel aus dem Kapitel "Charaden, Räthsel, Logogryphen":

2.
Schreckt euch meine Gestalt? Hat mich ein Gott doch gewürdigt,
Schloß in die häßliche Form seine Unsterblichkeit ein.
Rache färbte sein Herz, er lechzt nach dem Blute des Knaben,
Und der Phrygier sank grausend ein Opfer der Wuth.
Rückwärts lese die Zeichen, dann nimm die blinkende Schale,
Drücke zum Purpur mich, schlürfe den göttlichen Saft
Und umwinde die Schläfe mit Epheu dir und mit Rosen:
Evoe! tönt es ringsum, Bacchus, unsterblicher Gott!
?

7.
Still empfangen im zarten Keime
Tritt es hervor in des Himmels Räume,
Und es formt sich zur blühenden schönen Gestalt,
Und die Gottheit segnet's mit heiliger Weihe,
Daß es im Drange der Zeiten gedeihe,
Und es reift mit des Wesens dunkler Gewalt.

Zwar muß es endlich vergehn und erkalten,
Und sinken muß es zur gräulichen Nacht;
Doch strahlt es verjüngt durch des Grabes Spalten
Im neuen Frühling mit seliger Pracht.

Liest du es rückwärts, ein Kind der Erde
Umarmt es die Mutter mit trüber Geberde,
Still widerstrebend dem frühen Strahl;
Und wie des Mädchen rosige Wangen
Ein Schleier umflattert mit zartem Verlangen,
So webt es sich innig um Berg und Thal.

Doch glühender wächst die Flamme der Sonnen,
Und es fliegt zerstreut durch das bläuliche Haus,
So ist das Räthsel zur Klarheit zerronnen,
Sprichst du der Deutung Zauberwort aus.
?

Und noch ein weiteres aus einer gleichnamigen Reclam-Ausgabe o.J. [1891]:

38. Palindrom
Herrlich steht es vor dir, ein Gebild aus edleren Zeiten,
Und umarmet die Welt mit dem Gebote der Kraft.
Doch es wankt die Gewalt, sie kann die Bürde nicht halten,
Die sie gierig umfaßt, und das Erhabene fällt.
Wandelst du aber die Ordnung und kehrst die Zeichen des Wortes,
Etwas Ewiges steht, etwas Unsterbliches da;
Mächtig herrscht es und strahlt im Glanz der olympischen Gottheit,
Und durchbohrt uns das Herz, wenn es den Nektar uns reicht.
?

Das hier vorgestellte Exemplar befindet sich im Bestand der Staatsbibliothek Berlin:
Signatur Yn681.

Ludwig Tieck: Eine Sommerreise


Ludwig Tieck's gesammelte Novellen. Vollständige auf's Neue durchgesehene Ausgabe. Siebenter Band.
Berlin, Druck und Verlag von Georg Reimer 1853, 376 Seiten









Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: Erwähnung

In der 1834 erschienenen Novelle "Eine Sommerreise" findet man diese phantastische Passage (S. 76f):
Trifft es nicht richtig ein, daß N e b e l rückwärts gelesen L e b e n heißt, und Leben Nebel? Eins ist die Quadratwurzel vom andern. Darauf sollten unsre Denker mehr lossteuern. Siehe, mein Kind: - wenn ich zu Einem sage, der noch nicht reif ist und es gern werden möchte: L e s e! so sieht das wie ein guter, verständiger Rath aus. Hat er aber tiefern Sinn und buchstabirt rückwärts, so merkt er im stillen Gemüthe wohl, daß ich ihn nur einen E s e l gescholten habe. O es ist ein ungründlicher Tiefsinn in diesen Betrachtungen. Nicht wahr, es giebt Mülleresel, wilde Esel, Esel zu Spazierritten u.s.w. - aber der völlig unvertilgbare, von vorn wie hinten sich immer gleich bleibende ist der von mir entdeckte L e s e - E s e l. Auch wenn ich imperativisch oder imperatorisch sage: E s e l, l e s e! bleibt er sich gleich, doch gefällt obige Thierart in der Bezeichnung besser, denn es stempelt sich darin jenes ewig unermüdliche Geschöpf, jene unverwüstbare Kreatur, die wir hinter Ladentischen, auf Kaffeehäusern, unter den lieben Zeitungen und allerliebsten Journalen, Tagesblättern, Broschüren, Libellen (nicht den Insekten), Romanen und dergleichen sitzen sehn und schlingen - mit einem Wort, der in unserm Jahrhundert ausgebildeten Leseesel. Die vergleichende Anatomie sollte sich nur seiner bemächtigen und Gall seinen Schädel untersuchen. Wie in Afrika und Indien jene wandernden Ameisenheere oft unsäglichen Schaden anrichten und Verderben verbreiten, so fürchte ich für Europa und noch mehr für unser Deutschland die traurigsten Verheerungen von der Vermehrung und dem Ueberhandnehmen dieses Lese-Esels. Wie er denn nun von vorn oder hinten immerdar ein Leseesel bleibt, so sprach ich neulich schon mit einem denkenden Medicus über den Fall, ob das Thier nicht wirklich die Qualität noch erhalten könne und würde, auch von hinten, mit dem Sitztheile, sowie vorne mit seinen Augen zu lesen. Der Philosoph approbirte sehr meine Hypothese und meinte, das Monstrose sei immerdar nicht den gewöhnlichen Naturgesetzen unterworfen. Und wirklich, wie ich wieder die sogenannte Ressource besuchte, wo ich die beste Sorte und die qualificiertesten dieser Leseesel zu finden gewohnt war, bemerkte ich zu meinem Erstaunen, daß diejenigen, die in der Entwicklung am meisten vorgeschritten waren, unruhig auf ihren gepolsterten Bänken beim aufmerksamen Lesen hin und wieder ruschten, sich bald stärker auf das Polster drückten, bald lüfteten, bald sich rechts, bald links hin bewegten, als wenn sie ein besseres Licht erstrebten. Ich sah aber deutlich, daß ihnen oben nichts fehlte, ihr Fundament aber einen Mangel verspürte. Der Vorsteher dieser Ressourcen-Anstalt oder dieses Casino-Wesens ist ein denkender Mann; ich nahm ihn beseit in ein Nebenzimmer, von wo man durch Glasthüren Alles im Saal beobachten kann, und machte ihn auf jenes bedenkliche Hin- und Herrutschen aufmerksam. "Wollen Sie denn nicht, suchte ich ihn zu persuadiren, vielleicht morgen den Versuch machen und einige gute lesbare Journale, oder einige scharfe Schriften gegen die Regierung über jene Polster spannen lassen, um zu sehn, ob meine Vermuthung sich bestätigt?" "Wie, Herr, fuhr mich der Mann an, indem er mich mit seinen großen Augen betrachtete: was fabeln Sie mir da von einer neuentdeckten Thierart? Es sind lauter würdige Herren und ausgezeichnete Männer, die das Beste des Landes und der Welt im Auge behalten. Sie rutschen heute übermäßig, das ist wahr, das kann aber auch vom Denken und vom bewegten Gemüthe herrühren. Auf keinen Fall aber dürfte ich es gestatten, wenn Sie auch wirklich Recht hätten, daß alle diese Mitglieder in Naturalibus da säßen, um zwei Zeitungen zu gleicher Zeit lesen zu können." "O Sie kurzsichtiger Mann! rief ich aus; brauchen Sie denn nicht selbst Brillengläser? Sieht man nicht durch einen Flor und Sieb? Und so würden sich die Beingewande gestalten; Fabrikherren würden mit scharfem Blick die Zeuge entdecken und verfertigen, durch welche sich am besten lesen ließe; neuer Flor des Gewerbes, frische Aufmunterung zur Arbeit und Speculation."
So stand die Sache vor meiner Abreise, eher ich in das Nebelleben oder den Leben-Nebel gerieth. Wie ich zu meinen Reisegefährten zurück kam, weiß ich selbst nicht, wie aber in der Nacht der Kamin so gewaltig rauchte, war ich wieder bei ihnen und bei mir.

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Christian Pulvermacher: Räthselkranz


Pulvermacher, Christian Leopold Julius: Räthselkranz.
enthaltend hundert der besten Räthsel und Charaden
Quedlinburg, Verlag der Ernst'schen Buchhandlung 1834, 67 Seiten









Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: volkstümliche Rätseldichtung

Die Palindrom-Rätsel als Auszug:

2.
Wer wird wohl mehr als ich geschoren,
Und doch ertrag ich's mit Geduld.
Da lob' ich mir das Thier, erkoren
Zu tragen mich ohn' seine Schuld.
Doch glaub' ich, daß auf diesem Thiere
Mich, umgekehrt, wohl Niemand gern probire.
?

18.
Wenn Ihr Vergebung fleht und fühlt mich, rein bekehrt,
So wird sie Euer seyn, lest Ihr mich umgekehrt.
?

33.
Wir drücken den, der uns besitzt
Und bleichen ihm den Scheitel.
Es ist vor uns kein Mensch geschützt;
Denn Erdenglück bleibt eitel.
Doch liesest du mich umgekehrt,
So fandest einst du mich bewehrt!
Zu kämpfen gegen Pfaffen-Macht
Die manchem Spanier uns gebracht.
?

83.
Manch schöne Erdbewohnerin
Trieb einst ich in die Enge.
Lest Ihr mich aber umgekehrt
Bin selbst ich in der Enge.
?


Das hier vorgestellte Exemplar befindet sich im Bestand der Universitätsbibliothek Braunschweig: Signatur 1006-3448. Als E-Buch liegt es dort auch in digitaler Form vor und ist vollständig online zugänglich.

Palindromrätsel in Cottas Morgenblatt


Charade, Logogriph, Rätsel, Anagramm & Palindrom aus Cottas 'Morgenblatt' gehoben für Dorothea Kuhn
Deutsche Schillergesellschaft 1993, 32 Seiten




Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: Rätseldichtung


Die Broschüre enthält zwei von H. Wandel verfasste Palindromrätsel aus dem 'Morgenblatt für gebildete Stände', einer von 1807 bis 1865 erschienenen Literatur-Zeitschrift, die von der Cotta'schen Verlagsbuchhandlung herausgegeben wurde:

  • aus Nr. 217 vom 10. September 1825:
PALINDROM

Aus der düstren, feuchten Stube
Schaut durch mich ein böser Bube!
Seinen Magen zu erlaben,
Möcht' er gern mich rückwärts haben.
?

  • aus Nr. 223 vom 17. September 1825:
PALINDROM

Ich wurde Jedem, der da weilt hienieden,
Von güt'ger Hand beschieden;
Doch muß ich ihn, er mag mich lieben, hassen,
Dereinst verlassen.

Hat man ihn dann im kühlen Thal bestattet,
Deck' ich, wann Dämm'rung schattet,
Gern rückwärts noch den falben Grabeshügel
Mit feuchtem Flügel.
?

August Lafontaine: Neueste Charadenlese


Lafontaine, August Heinrich Julius: Neueste Charadenlese, gesammelt auf den Gefilden des Witzes und der Laune: Eine Auswahl sinnreicher Räthsel, Logogryphen und Charaden der vorzüglichesten Dichter
Pesth: Joseph Müller, 1817, 252 Seiten







Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: Rätseldichtung

Auszug der Palindrom-Rätsel aus dem Kapitel "Logogryphen, Anagramme und Palindrome":


4.

In der Vorzeit fabelhaften Tagen,
Stieg einst Jupiter zu mir herab,
Für das stille Glück der Erde gab,
Er den Blitz und seinen Donnerwagen.
Durch der Dichtung Götterkraft getragen,
Lebt mein Nahme noch auf meinem Grab,
Meine Söhne blicken noch herab,
Von dem Himmel, wie die Lieder sagen,
Aber rückwärts sollte man allein,
Mich der Tugend zur Belohnung geben,
Die so oft entbehrt des äußern Schein;
Doch oft muß ich leider den erhebn,
Welcher gern sein eig'nes Schattenbild
In der Todten Heldenglanz verhüllt.
?



6.

In des Feuers starken Gluthen,
Wir es zum Gebrauch geschickt gemacht;
Rückwärts ist's die Tugend jedem Guten,
Welchen sie es wieder allen macht;
Doch das Vorwärts ist dem Bösen,
Rückwärts mir ein Lebensziel gewesen.
?



17.

Nie unterworfen wärest
Du ohne mich, dem Sinnenreiz;
Doch, wenn Du mich verkehrest,
So lieg' ich in der Schweiz.
?



33.

Mein Wort umfasst ein Sylbenpaar;
Man kann es fast in jedem Briefe finden,
Es pflegt sich gern mit Titeln zu verbinden.
Kehrt Ihr es um; so bleicht's das Haar,
Verwundet schwer, zumahl die bessern Herzen;
O hüthet, hüthet Euch vor seinen Schmerzen.
?



45.

Welche Handelsstadt Egyptens, sprich!
Hat verkehrt den Donnergott in sich?
?



46.

Lies es rückwärts oder vor herein,
In der Bibel wird mein Nahme sein.
?



50.

Denkt wer, von mir allein zu leben, gute Leute,
O weh! dann werdet Ihr, was umgekehrt ich deute.
?



58.

Zwey Sylben sind es, die in mir sich paaren.
Obschon Natur mir keine Füße leiht,
So lauf ich doch, allein ich nehme mir Zeit,
(Man wird wohl schwerlich meinen Lauf gewahren)
Und was mir aufstößt auf der stillen Bahn,
Dem bieth ich freundliche Umarmung an.
Jetzt wendet nur die Ordnung meiner Zeichen;
So lauf ich stürmisch durch den düstern Wald
Zumahl, wenn mir des Feindes Stimme schallt.
(Nur schwer bin ich im Laufe zu erreichen)
Und was um Laufe mich zu hindern droht,
Das fall ich an auf Leben und auf Tod.
?



59.

Still empfangen im zarten Keime,
Tritt es hervor in des Himmels Räume,
Und es formt sich zur blühenden schönen Gestalt.
Und die Gottheit segnet's mit heiliger Weihe,
Daß es im Drange der Zeiten gedeihe,
Und es reift mit des Wesens dunkler Gewalt.
Zwar muß es endlich vergehen und erkalten,
Und sinken muß es zur gräulichen Nacht;
Doch strahlt es verjüngt durch des Grabes Spalten,
Im neuen Frühling mit seeliger Pracht.
Liest du es rückwärts, ein Kind der Erde,
Umarmt es die Mutter mit trüber Gebehrde,
Still widerstrebend dem frühen Strahl,
Und wie des Mädchen rosigte Wangen
Ein Schleyer umflattert mit zartem Verlangen,
So webt es sich innig um Berg und um Thal.
Doch glühender wächst die Flamme der Sonnen,
Und es fliegt zerstreut durch das bläuliche Haus,
So ist das Räthsel zur Klarheit zerronnen,
Sprichst du der Deutung Zauberwort aus.
?



60.

Es beugt vor meinem Throne
Ein jeder sein Knie.
Ich herrsch' von Zon' zu Zone,
Mit ewiger Magie.
?


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Theodor Hell: Das sinnreiche Buch


Hell, Theodor: Das sinnreiche Buch; oder Charaden, Räthsel und Logogryphen auf alle Tage im Jahr
Leipzig, bei Gerhard Fleischer d. Jüngern 1812, 410 Seiten









Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: Rätseldichtung

Einige Auszüge daraus:

Am 20. Februar

Was netter ist als nett
Wird bald dich an sich ketten,
Drum dreh' mein Wort herum,
Willst Du dich wirklich retten.
?
Th. Hell

Am 12. April

Einfach im Gewand des Lenzen
Schirm ich meiner Mutter Brust
Hell im Morgenthau zu glänzen,
Ist des Lebens zarte Lust.
Und geschmückt zu Frühlingsfeier
Wog' ich auf der stillen Flur,
Und den schönsten aller Schleier
Web' ich kunstlos der Natur.

Lese r ü c k w ä r t s nun die Zeichen
Und v e r k e h r der Deutung Wort,
Sieh' und ich umfange Leichen,
Trage sie zum Grabe fort.
Bis, zum ew'gen Weltgerichte
Halt ich sie in meinem Arm,
Doch, entfernt vom Sonnenlichte
Wird kein Busen wieder warm.
?
Th. Körner

Am 29. April

Seht, in Sonnenglut geboren,
In der weit entlegnen Zone
Lebt' ich, auf der Väter Thron
Einst zu herrschen, auserkoren.
Da ergriffen mich Gestalten,
Anzuschaun wie Höllengeister,
Wurden meiner Kräfte Meister,
Stets in Banden mich zu halten.

Enger war ich nun verschlossen
Mit den armen Mitgesellen,
Fortgeführt auf wilden Wellen,
Karge Speise nur genossen,
Und als in der Schiffes Raume
Wenig Wasser nur vorhanden,
Wurden glühend meine Banden,
Und die Zunge klebt' am Gaume.

Dreh' dich um, so riefen Töne,
Armer Durstender, daß Kühle
In des heißen Durstes Schwüle
Mit dem Schöpfer dich versöhne!
Rückwärts wand ich mich, da fielen
Tropfen mild erquickend nieder;
O! nehmt mich nicht rückwärts wieder,
Müßt sonst neue Qual erzielen.
?
Th. Hell

Am 30. May

Dreisylbig.
Ich weiß ein Wort, aus fremder Sprach' entsprossen,
Es zeichnet dem, der schnell entschlossen
Zu wollen und zu handeln pflegt,
Indeß ein Andrer lang zuvor erwägt.
Ließ sich des Wortes Schlußlaut nur erweichen;
So würde, leset rückwärts Ihr die Zeichen,
Dies eine Wort in zwei sich umgestalten,
Um einen leisen Vorwurf zu entfalten;
Den Vorwurf spricht, von heißer Lieb' entglüht,
Das Mädchen aus, das überrascht sich sieht:
Es will, so scheint es, trunknem Sinne wehren,
Und doch vermag es, schalkhaft, ihn zu nähren.
Drum glücklich, wem es gilt - aus schönem Mündchen: -
Die Uhr hob aus, - es schlägt ein schönes Stündchen.
?
Bchm.

Am 17. July

Zweisylbig.
Des Sammelns Mühe pfleg' ich anzudeuten,
Auch bin ich dieser Mühe Frucht,
Wenn Ihr mit Wein zu gatten mich versucht,
So mag ein liebes Fest ich Euch zu bereiten.

Umgekehrt
Ich nütz' Euch Menschen durch Geduld und Kraft,
Mein Weib hat Lindrung Manchem schon verschafft,
Wohl gar vermocht, vom Ziehen zu entwöhnen:
Wie mögt Ihr nun mich armes Thier
Zum Danke immer nur verhöhnen? -
Doch fällt mir bei: ich höre ja nach mir
Oft Menschen unter Euch benennen:
Das will als Ehrenrettung ich erkennen.
?
Bchm.

Am 30. July

Mein Wort umfaßt ein Sylbenpaar:
Man kann es fast in jedem Briede finden,
Es pflegt sich gern mit Titeln zu verbinden.
Kehrt Ihr es um, so bleichts das Haar,
Verwundet schwer, zumal die bessern Herzen;
O hütet, hütet Euch vor seinen Schmerzen.
?
Bchm.

Am 17. August

Immer das Beste ist's , der Kern des innern Lebens;
Kleinlicher Handel wird's, les't Ihr von hinten das Wort.
?
W***m.

Am 7. Septbr.

Um in dem ganzen Umfang es zu kennen,
Was, unbewußt, mit süßer Macht
Um meinen Gleichmuth mich gebracht,
Brauch' ich allein mein Wörtchen Dir zu nennen:
Denn, wo ist Eine noch zu finden,
Die so vermöchte Geist und Herz zu binden.

Der muß dem umgekehrten Wörtchen gleichen,
Der dieser Reize Majestät
Mit stolzem Sinne widersteht.
Des Leidens Gipfel muß mein Loos erreichen,
Mein Herz erstarren, gleich dem Worte;
Verschließt sich mir des Hoffens goldne Pforte.
?
Bchm.

Das hier vorgestellte Exemplar befindet sich im Bestand der Staatsbibliothek Berlin:
Signatur Yf397<2>.

Sphinx


Sphinx. Ein Taschenbuch für Freunde poetischer Spiele
Berlin, gedruckt bei Georg Decker 1809, 166 Seiten










Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: volkstümliche Rätseldichtung

Die Palindrom-Rätsel als Auszug:

Nr. 11
Zwar hüllt in mich der Gottheit Hand
Den Blick in ferner Zukunft Land,
Wo noch kein Sterblicher gewesen;
Doch deiner kühnsten Hoffnung Bild,
Das Deinen Geist für jenseits füllt,
Laß ich zum Trost dich r ü c k w ä r t s lesen.
?

Nr. 27
Grünend und lachen v o n v o r n, doch düster und grinsend v o n h i n t e n,
Bietet ein winziges Wort, Menschen, ein Lager euch an.
Liebende suchen's v o n v o r n im Tändeln der fröhlichen Liebe,
Nur der Unglückliche sucht hoffend v o n h i n t e n es auf.
?

Nr. 50
Einst ging Herr Zeus, der auch beym Weltregieren
Es nie vergaß, den Schönen zu hofieren,
Zum Mädchen hin, - man kennt sie überall,
Drum nenn' ich sie Euch nicht einmahl.
Er herzte, drückte, küßte sie,
Und warf sie endlich mit Entzücken,
- Ihr wißt, er ist ein Kraftgenie, -
So sehr sie sträubte, auf den Rücken.
Was meint ihr, was daraus entstand?
Ein mächtig Heer, das noch in manchem Land
Mit Schild und Wappen sich zu schmücken,
Den Bürgern und den Bauer zu bedrücken,
Und zu stolzieren baß versteht
Und seines Götterstamms sich bläht.
?

Das hier vorgestellte Exemplar befindet sich im Bestand der Staatsbibliothek Berlin:
Signatur Yf 371.

Friedrich Kind: Gedichte


Kind, Friedrich (Johann): Gedichte
Leipzig, Johann Friedrich Hartknoch 1808, 266 Seiten










Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: Rätseldichtung

Friedrich Kind lebte von 1768 bis 1843 und ist der Nachwelt vor allem durch die Oper "Der Freischütz" von Carl Maria Weber in Erinnerung geblieben, deren Libretto aus seiner Feder stammt. Zehn Jahre zuvor veröffentlichte der damals noch unbekannte Autor diese Auswahl seiner Gedichte und übereignete sie mit anrührend zutraulichen Worten:
"Ich möchte Dich, lieber Leser, gern gleich am Eingange mit einem angenehmen Bild begrüssen. Diess kann mir vielleicht im voraus deine Gunst gewinnen, welche ich, falls wir für einander taugen, nach Würden schätze. Sei es denn das Bild einer Braut! Es dünkt mich nämlich, als gleiche ein Schriftsteller, der zum erstenmal eine Auswahl seiner Gedichte herausgiebt, in vielen Stücken einer Jungfrau auf dem Wege zum Altar. [ ] Ungewiss, ob der Brautgang sie einer freudigen Zukunft oder einer Iphigenia's Opferung entgegen führe, wandelt sie als ein abgesonderter Gegenstand der Betrachtung, und berechtigt gewissermassen zu einer strengeren allgemeinen Musterung."
Den Brautschleier ein Stück weit zu lüften:

Vorwärts herrsch' ich in des Waldes Hallen;
Jüngling, reitze nicht des Starken Wut!
Hörst du nicht der Göttin Klage schallen
Um des Schönsten rinnend Purpurblut?
Aber rückwärts wink' ich freundlichen allen,
Biete süsse Frucht und Lebensglut.
Cypris selbst gesteht, dass ich die Küsse
Ihrer Rosenlippen noch versüsse.
?

Das hier vorgestellte Exemplar befindet sich im digitalisierten Bestand der Google-Buchsuche und ist dort vollständig online zugänglich.