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Dienstag, 4. Juni 2013
Palindrome in der Musik
1747 Bach, Johann Sebastian: Canon 1. a 2 cancrizans (Krebskanon), BWV 1079
1772 Haydn, Joseph: Sinfonie Nr. 47 in G-Dur (Palindrom), Hob I:47
1785 Mozart, Wolfgang Amadeus: Adagio in F-Dur (Spiegelkanon), KV 410
1982 Simpson, Robert: Streichquartett Nr. 9
2002 pipelife+: palindrome
2002 Wissem, Jozef van: Narcissus Drowning
2003 Yankovic, "Weird Al": Poodle Hat
2004 Marx, Udo: Inventio (Palindrom)
2006 Sergej Mohntau: Palindromsongs
2006 Whitman, Keith Fullerton: Track4 (2waysuperimposed)
2007 Kersting, Andreas: metallatem
2007 Borboudakis, Minas: Piano Works
2007 Sieverts, Henning: Symmetry
2009 Amann, Gerold: Hassgeschichte
2013 Lissi: Palindrom-Songs (Techno & Rap) -- neu --
Sie kennen weitere palindrome Kompositionen oder könnten die klassischen Stücke umfassender vorstellen? Dann schreiben Sie mir bitte.
Palindrom-Songs von Lissi
Lissi beschäftigt sich schon seit Längerem mit dem Aufspüren von akustischen Palindromen und hat eine beachtliche Kollektion dieser bizarren Spezies zusammengetragen. Nun auch zum ersten Mal musikalisch aufbereitet:
Freitag, 8. April 2011
Sonntag, 21. November 2010
Johann Sebastian Bach: Canon 1. a 2 cancrizans (Krebskanon)
Bach, Johann Sebastian: Canon 1. a 2 cancrizans (Krebskanon)
BWV 1079, 1747
Hier gibt es ein wunderbares Video, dass das geniale Kompositionsprinzip von Bachs Krebskanon anhand der Partitur verständlich macht:
Jos Leys/Xantox: J.S. Bach - Crab Canon on a Möbius Strip, 2009, 3:07 min, youtube.com
Hier gibt es ein wunderbares Video, dass das geniale Kompositionsprinzip von Bachs Krebskanon anhand der Partitur verständlich macht:
Jos Leys/Xantox: J.S. Bach - Crab Canon on a Möbius Strip, 2009, 3:07 min, youtube.com
Freitag, 19. November 2010
Robert Simpson: Streichquartett Nr. 9
Simpson, Robert: Streichquartett Nr. 9
Delmé-Quartett 1982
"Im Jahre 1982 feierte das britische Delmé-Quartett sein 20-jähriges Bestehen, was zufälligerweise mit Haydns 250. Geburtstag zusammenfiel. Zu diesem Anlass gab das Quartett bei fünf britischen Komponisten neue Werke in Auftrag, unter anderem bei Simpson. Dessen Beitrag verknüpfte die beiden Jubiläen in gigantischer Weise: er schrieb sein Neuntes Streichquartett als eine Folge von 32 Variationen mit großer Schlussfuge auf ein Thema von Haydn. Es handelt sich hierbei um das Menuett aus Haydns Sinfonie Nr. 47, das ein musikalisches Palindrom darstellt. Solche Palindrome haben Simpson offenbar zeit seines Lebens fasziniert: er schrieb schon als junger Mann Klaviervariationen über dieses Thema, und immer wieder begegnet man auch in seinen eigenen Werken Palindromen.
In diesem Quartett hat er es allerdings auf die Spitze getrieben: alle 32 Variationen sind nämlich ihrerseits Palindrome! Das ist einfach ein Meisterwerk an Einfallsreichtum, Variationstechnik und brillantem kompositorischen Können. Am Schluss (das Werk dauert nahezu eine Stunde) setzt die Fuge, die langsam beginnt und immer mehr an unaufhaltsamer Energie gewinnt, dem Werk die Krone auf, bis hin zu den Schlusstakten, die aus wuchtigen, pulsierenden Unisono-Gs bestehen. Wie gesagt, ich finde das schlichtweg grandios.
Robert Simpson hat eben zwei großartige Werkzyklen verfasst: neben den elf Sinfonien sollte man sich auch die 15 Streichquartette m. E. unbedingt anhören."
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Herzlichen Dank!
"Im Jahre 1982 feierte das britische Delmé-Quartett sein 20-jähriges Bestehen, was zufälligerweise mit Haydns 250. Geburtstag zusammenfiel. Zu diesem Anlass gab das Quartett bei fünf britischen Komponisten neue Werke in Auftrag, unter anderem bei Simpson. Dessen Beitrag verknüpfte die beiden Jubiläen in gigantischer Weise: er schrieb sein Neuntes Streichquartett als eine Folge von 32 Variationen mit großer Schlussfuge auf ein Thema von Haydn. Es handelt sich hierbei um das Menuett aus Haydns Sinfonie Nr. 47, das ein musikalisches Palindrom darstellt. Solche Palindrome haben Simpson offenbar zeit seines Lebens fasziniert: er schrieb schon als junger Mann Klaviervariationen über dieses Thema, und immer wieder begegnet man auch in seinen eigenen Werken Palindromen.
In diesem Quartett hat er es allerdings auf die Spitze getrieben: alle 32 Variationen sind nämlich ihrerseits Palindrome! Das ist einfach ein Meisterwerk an Einfallsreichtum, Variationstechnik und brillantem kompositorischen Können. Am Schluss (das Werk dauert nahezu eine Stunde) setzt die Fuge, die langsam beginnt und immer mehr an unaufhaltsamer Energie gewinnt, dem Werk die Krone auf, bis hin zu den Schlusstakten, die aus wuchtigen, pulsierenden Unisono-Gs bestehen. Wie gesagt, ich finde das schlichtweg grandios.
Robert Simpson hat eben zwei großartige Werkzyklen verfasst: neben den elf Sinfonien sollte man sich auch die 15 Streichquartette m. E. unbedingt anhören."
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Herzlichen Dank!
Mittwoch, 10. November 2010
Joseph Haydn: Sinfonie Nr. 47 (Palindrom)
"Das Werk ist wohl im Frühjahr 1772 entstanden. Seinen Titel „Palindrom“ hat es offensichtlich von der Nachwelt erhalten, weil Haydn sich bei Menuett und Trio tatsächlich den Spaß erlaubt und beide Teile jeweils vorwärts und rückwärts spielen lässt (notiert im Autograph ist ein ‚Menuet al Roverso‘ und ein ‚Trio al Roverso‘; die Noten und Rhythmen ergeben rückwärts exakt die gleiche Abfolge wie vorwärts gespielt).
Der Gedanke des umgekehrt, oder gespiegelt Gespielten taucht jedoch noch an anderen Punkten der Sinfonie auf. Nach viermaligem Anlauf wird in Takt 10 ein zweieinhalbtaktiges Thema vorgetragen, das zumindest in der Tonfolge auch ein Annagramm (oder Palindrom) darstellt:
g h c e c h G h c e c h g
Und auch in der Form spiegelt sich die Idee wieder: Nach einem Zwischensatz mit Verarbeitung des marschartigen Hauptthemas (u.a. mit recht raffinierten kontrapunktischen Spielereien; Takt 13 – 35) erklingt als Seitensatz eine charakteristische Triolenfigur. Dieser Teil rückt in der Reprise (die wegen ihres Moll-Charakters ohnehin nicht sofort erkannt wird) um einen Platz nach vorn, erst danach erklingt der ursprüngliche Zwischensatz.
Im Adagio werden konsequent Ober- und Unterstimme getauscht. Schon die 5-taktige Gliederung des Themas ist ungewöhnlich; mehr noch aber der Spiegel der Stimmen: Wir hören de facto einen ABA-Teil, der wiederholte Part A indessen ist mit einem Stimmentausch versehen. Auch die Variationen behalten diese Verfahrensweise bei. Interessant ist der Bezug zum 1. Satz, der durch die Verwendung der oben erwähnten Triolenfigur entsteht – nunmehr eine Stufe in der Variationenfolge. Eine pointierte Coda mit einem 4-stimmigen Abschnitt des Themas rundet den Satz ab, der prägenden Charakter trägt: erstmals erprobt Haydn im langsamen Sinfoniesatz die Variation (worauf Ludwig Finscher in seiner Biografie verweist).
Über das Menuett und Trio al Roverso wurde schon gesprochen. Erwähnenswert ist vielleicht noch die Tatsache, dass eine betonte Zählzeit 1 (mit forte hervorgehoben) beim Rückwärtsspielen natürlich eine betonte Zählzeit 3 ergibt, wie überhaupt die Abfolge von forte- und piano-Takten einen besonders reizvollen Kontrast des Satzes prägt.
Der letzte Satz tendiert eher zur Sonatenform als zum Rondo. Zwar kehrt das Hauptthema rondoartig wieder, dennoch dominiert der Gedanke einer Durchführung, bei der insbesondere ein kantiger forte-Abschnitt im Zentrum steht.
Mikro- und Makrokosmos von Themen, Motiven, Stimmen, Linien und Formen durchdringen hier natürlich ganz anders als beim zeitgenössischen portugiesischen Meister1.
Könnte der tiefere Sinn nicht dennoch in der Suche nach dem gleichen Kern zu finden sein?
Wie hieß es in der zweiten Strophe des im Anhang zitierten Gedichts:
Es gab kein Erstes und kein Letztes, Keinen Anfang und kein Ende,
Alles war gleichmäßig ausgewogenes unendliches Licht,
Harmonisch und sanft,
Vollkommen in Erscheinung und Art
Spiegelung, Palindrom, Sephiroth, Chesed, Schöpfung, Licht, Harmonie, … - lassen Sie sich zu erhellenderen Erkenntnissen, als Worte sie beschreiben können, durch die Musik führen."
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Herzlichen Dank!
____________________________
1 Emmanuel Nuñes: Zusammenhang siehe Originalartikel
Mittwoch, 17. Juni 2009
Gerold Amann: Hassgeschichte
Amann, Gerold: HassgeschichteVerlag Ulrich Gabriel (unartproduktion) 2009
Partitur und Audio-CD, 144 Seiten
ISBN 9783901325595
Komponist: musikdokumentation-vorarlberg.at
Verlag: unartproduktion.at
"Verwünschungen, Liebeszauber, Hexerei und schwarze Magie sind die Bausteine der Hassgeschichte. Deshalb werden Krebsgestalten, Umkehrungen und andere strenge formale Konzepte zu deren Umsetzung angewendet. Der gesamte Text bezieht sich auf das Palindrom RUHE LIEGT IM TIER ... REIT MIT GEILE HUR. Von hinten nach vorne gelesen ergibt sich der gleiche Text. Von diesem Palindrom wurden sieben Anagramme abgeleitet: O Anubis / Drei Saeue fielen vom Himmel / Grauen reitet im Tau / Bete zu Satan / Glut der Frau / Reiter auf rotem Maehre / Rabe gebar Uhu. Jedes Anagramm enthält die gleichen Buchstaben in der gleichen Anzahl wie das Palindrom. Der gesamte Gesangs- und Instrumentalpart wird aus der Abfolge der Vokale oder/und Konsonanten des Textes entwickelt."
Quelle: Verlagswebseite
Samstag, 17. November 2007
Henning Sieverts: Symmetry
Sieverts, Henning: SymmetryPirouet Records 2007
Audio-CD, 14 Titel, 57:11 Spielzeit
EAN 4-260041-180222
Web & Hörproben: henningsieverts.de
Vertrieb: Pirouet Records
"Palindrome sind symmetrische Zeichenketten, die vor- und rückwärts gelesen den gleichen Sinn ergeben (von griech. „palindromos“ = rückwärts laufend). Bekannt sind die Palindrome „Otto“, „Anna“ oder auch „Rentner“. Auch in der Musik gibt es Palindrome: ganze Werke oder einzelne Elemente: ein Akkord, eine Akkordfolge, eine Tonleiter, ein Rhythmus, ein Takt, eine Songform, etc. In allen Kompositionen von „henning sieverts – symmetry“ verstecken sich solche musikalischen Palindrome. Die Schönheit der Symmetrie erschließt sich beim Zuhören intuitiv, man braucht weder Rechenschieber noch Mathe-Diplom, um die Musik genießen zu können!"
Aus dem Infotext zu "Symmetry"
Dienstag, 4. September 2007
Minas Borboudakis: Piano Works
Borboudakis, Minas: Piano WorksNeos 2007
Audio-CD, 16 Titel, 62:17 Spielzeit
EAN 4260063610011
Web: minasborboudakis.com
Vertrieb: neos-music.de
Hörproben: bücher.de
"Das Palindrom ist ein hübsches Buchstabenspiel, bei der man eine Zeichenkette mit dem gleichen Ergebnis von vorne wie von hinten liest: „Ein Neger mit Gazelle zagt im Regen nie“ ist der politisch heute ganz und gar nicht mehr korrekte Klassiker unter den Satzpalindromen. Minas Borboudakis, 1974 in Heraklion auf Kreta geboren, hat aus der Spielerei ein interessantes Kompositionskonzept entwickelt: Seine viertelstündiges Klaviersolo-Werk „Zykloiden“ ist in fünf Abschnitte aufgeteilt, die viermal um sich selbst kreisen (ABCDE – EDCBA – ABCDE – EDCBA) und sich dabei leicht verändern. Auf diese Weise zettelt Borboudakis, der hier sämtliche Werke komponiert und eingespielt hat, nicht nur ein spannungsreiches Spiel mit Wiederholungen an, sondern auch mit der geschlossenen und offenen Form.
Die einzelnen Teile – ein von Pausen unterbrochener Klimperregen; ein stark rhytmisierter Triller; ein fahles Intermezzo mit Läufen, erneut von Pausen unterbrochen; ein funkiger Tanz im Bassregister, eine manisch fehlerhafte Roboter-Bewegung – sind so klar voneinander unterscheidbar wie fließend ineinander übergehend und bilden durch die Beständigkeit der Taktwechsel und Pausen so etwas wie eine „zerrissene Einheit“.
Abgesehen von diesem stärksten (und jüngsten) Stück Borboudakis’ bieten auch seine anderen Piano-Kompositionen den allergrößten Hörgenuss, allen voran „Palindromia“ (2004), das wie eine Vorstudie zu „Zykloiden“ klingt, und die fünf „Metal Mechanics“, bei denen uns Borboudakis in jeweils anderthalb bis viereinhalb Minuten computermanipulierte Klaviertöne zu Gehör bringt, die in ihrer verzerrten Statik klanglich wie dramaturgisch einen herrlichen Kontrast zu den beharrlich treibenden Rhythmen der Palindrome (und fünf der "Sechs Gedanken" (2002/2003) bilden und diese fantastische CD wunderbar abrunden. Ich bin sicher, wir werden noch viel (gute Musik) von Borboudakis zu hören bekommen - und freue mich schon jetzt auf mehr."
Review by Dieter Schnaas, wiwo.de
Keith Fullerton Whitman: Track4 (2waysuperimposed)
Whitman, Keith Fullerton: Track4 (2waysuperimposed)Room 40 2006
Audio-CD, 1 Track, 21:04 Spielzeit
Web: keithfullertonwhitman.com
Label & Hörprobe: room40.org
"Keith Whitman bietet uns ein musikalisches Palindrom. Was war doch das schon wieder, das Palindrom? Genau, von hinten wie von vorn: Anna, Otto, Rotor. Keiths CDr hört sich von hinten (rückwärts gespielt) wie von vorn (normale Laufrichtung) genau gleich an. Wer es ausprobieren kann, möge dies tun und staunen. Du kannst das ja mal mit anderer Musik machen, dann staunste auch Bauklötze, wie das anders klingt. Mit elektronischer Ambientmusik geht das offenbar besser. Die «Crackles» klingen im zweiten Teil anders, daran kannst du das akustische Palindrom ausmachen und erkennen. Eine hübsche kleine Idee, einen schon etwas älteren Track zu nehmen, ihne neu zu arrangieren und zu spiegeln, so dass er auf einundzwanzig Minuten raufkommt. Leise Ambientmusik, elektronische Dronen mit den erwähnten «Crackles», tiefe Bässe, die von irgend woher mitlaufen. Die Klänge muten an, wie fliessendes, tropfendes, plätscherndes Wasser in einem kleinen Behältnis (einer Badewanne?). Streng auf 200 Kopien limitierte Auflage."
Review by Christian Schorno, Musikzimmer.ch
Sergej Mohntau: Palindromsongs
Sergej Mohntau: Palindromsongsnon food factory 2006
Audio-CD, 16 Titel, 52:59 Spielzeit
EAN 9005346953578
Hörproben: sergejmohntau.net
Vertrieb: extraplatte.com
"Sergej Mohntau sind Juergen Berlakovich und Thomas Pfeffer. Das Literatur- und Musikperformanceduo gründete sich 1999 und verknüpft seither in abwechselnden Projekten und Performances Musik, Sound und Sprachkunst mit bildnerischen und theatralischen Elementen zu einer eigenständigen Form des literarisch-musikalischen Aktionismus.
Palindromsongs heißt die zweite CD des Musik- und Literaturperformance-Duos Sergej Mohntau und beinhaltet 16 Lieder, die sich der Kunst des akustischen Palindroms widmen. Palindrome sind Texte, die vorwärts wie rückwärts gelesen (den selben) Sinn ergeben. Bei akustischen Palindromen hingegen geht man nicht von der Schrift aus, sondern von der Aussprache. Palindromsongs sind Lieder, die vorwärts und rückwärts gehört werden können, der gesungene und gesprochene Text bleibt dabei gleich.
Sergej Mohntau haben sich auf die Suche nach akustischen Palindromen in deutscher - vornehmlich wienerischer Sprache - gemacht und ihre Funde und Ergebnisse, seien es nun kurze Phrasen („s is eh wes is“), Ausrufe (schau a oasch), Komplimente (fescha chef), lakonische Feststellungen (oida radio) oder auch nur einzelne Worte (sammas) in funkelnd-melancholische Lieder verpackt.
Die Palindromsongs schöpfen sowohl auf musikalischer wie auch auf sprachlicher Ebene Möglichkeiten von vorwärts und rückwärts abgespielten Materials aus. Vorwärts abgespielt klingen die Palindromsongs wie konventionelle Popsongs mit leicht verdrehten Klangeinsprengseln. Werden die Lieder dann umgedreht und von hinten nach vorne abgespielt eröffnen sich eine Reihe überraschender Klänge und Töne. Rückwärts abgespielte Gitarrenglissandi oder Drumbeats geben den Songs einen aus der elektronischen Musik bekannten Klangcharakter, die gesungenen und gesprochenen Texte aber bleiben - bei natürlich leichter Veränderung der Intonierung der Stimmen - dabei inhaltlich immer gleich."
Review by extraplatte.com
Donnerstag, 26. Juli 2007
"Weird Al" Yankovic: Poodle Hat
Yankovic, "Weird Al": Poodle HatVolcano 2003
Audio-CD, 12 Titel, 54:38 Spielzeit
ASIN B000095J7Q
Hörproben: amazon.com
Das 2003 erschienene Album "Poodle Hat" enthält ein wunderbares Stück namens "Bob". Es ist eine musikalische Hommage von "Weird Al" Yankovic an Bob Dylan, die komplett aus englischen Palindrom-Sätzen besteht:
I, man, am regal - a German am I
Never odd or even
If I had a hi-fi
Madam, I'm Adam
Too hot to hoot
No lemons, no melon
Too bad I hid a boot
Lisa Bonet ate no basil
Warsaw was raw
Was it a car or a cat I saw?
Rise to vote, sir
Do geese see god?
"Do nine men interpret" "Nine men," I nod
Rats live on no evil star
Won't lovers revolt now?
Race fast, safe car
Pa's a sap
Ma is as selfless as I am
May a moody baby doom a yam?
Ah, Satan sees Natasha
No devil lived on
Lonely Tylenol
Not a banana baton
No "x" in "Nixon"
O, stone, be not so
O Geronimo, no minor ego
"Naomi," I moan
"A Toyota's a Toyota"
A dog, a panic in a pagoda
Oh, no! Don Ho!
Nurse, I spy gypsies - run!
Senile felines
Now I see bees I won
UFO tofu
We panic in a pew
Oozy rat in a sanitary zoo
God! A red nugget! A fat egg under a dog!
Go hang a salami, I'm a lasagna hog
Besonders eindrucksvoll wirkt diese Mischung im Video:
pipelife+: palindrome

pipelife+: palindrome
musical performance 2002
Hörproben: javierhagen.ch
Vertrieb: javierhagen.ch (Demo-CD erhältlich)
pipelife+: Andrea Bub, Kirsten Christmann, Annegret Friede, Gritli Kohler, Javier Hagen
"Pipelifes Repertoire umfasst alle Kombinationen vom Solo- bis Quintettstück aus dem Mittelalter, der Renaissance und des Barocks, Literatur aus dem 20. Jh., zeitgenössische - in Auftrag gegebene - und eigene Kompositionen. Verknüpft und ergänzt wird das Material seiner Programme mit musikalischen Improvisationen und Live-Elektronik.
Neue, alte und improvisierte Musik: pipelife+ stellt in seinem Programm "palindrome" einige der berühmtesten palindromatischen Kompositionen eigenen palindromatischen Stücken in einer räumlich reizvollen Inszenierung gegenüber. Analog zu palindromatischen Texten lassen sich palindromatische Musikkompositionen von beiden Richtungen mit demselben klanglichen Resultat lesen. Diese kompositorische Aufgabe hat verschiedene Musiker zu allen Zeiten beschäftigt, denn durch das Palindrom lässt sich die Idee des linear-kausalen Zeitflusses - zugunsten eines Zustandes - kompositorisch aufheben."
Zitat von javierhagen.ch
Jozef van Wissem: Narcissus Drowning

Wissem, Jozef van: Narcissus Drowning
Persephone/Bvhaa 2002
Audio-CD, 8 Titel
ASIN B00006JK8X
Web: jozefvanwissem.com
"Diese CD in irgendeine Schublade zu stecken sollte äußerst schwer fallen. Gelingt es dem Niederländer Jozef van Wissem hier doch, Alte und Neue Musik, Blues und Pop, E und U, also letztlich auch Alte und Neue Welt, unter einen Hut zu bringen. Hat der Lautenist bei seinem Vorgängerwerk »Retrograde Renaissance Lute« noch Stücke u.a. der Renaissance-Komponisten Hans Newsidler und Jacob Reys bearbeitet, in dem er sie von hinten nach vorne spielte, interpretiert er diesmal ausschließlich eigene Kompositionen. Auch diese sind als Palindrome angelegt, soll heißen, sie könnten auch andersrum gelesen werden. Was sich in der Theorie reichlich konstruiert und kopflastig anhört, klingt in der praktischen Umsetzung ausgesprochen unverkrampft. So verbindet sich Wissems virtuoses, minimalistisches Lautenspiel mit kargen Electronics und martialisch dumpfem Getrommel zu seltsam zeit- und raumloser Musik. Und nicht zuletzt dank Gary Lucas' gelegentlicher Dobro-Beiträge werden auch Verächter Alter Musik mit dieser großartigen CD etwas anfangen können."
Review by Patrick Sabbagh, skug.at
Dienstag, 8. Mai 2007
Palindrome goes chamber music: metallatem
Uraufführung von Andreas Kerstings "metallatem" beim 4. Forumkonzert des RIAS Kammerchores am 5. Mai 2007 in der Treppenhalle des Landgerichts Berlin:

Das Foto der Treppenhalle kann gut als Sinnbild dienen, womit man es bei Palindromen zu tun hat. Es sind Wortgebäude, die ausschließlich von ihrer symmetrischen Innenarchitektur geformt und getragen werden. Filigrane Raumschöpfungen, die man mit eigenen Augen gesehen haben sollte, weil jede Deskription nur ein Abglanz des Wesenhaften wäre. Wie aber vertont man Palindrome? Wie bringt man etwas zu Gehör, das sich nur dem Auge erschließt? Vielleicht so, wie man als Besucher in dieser Treppenhalle steht: man lässt sie auf sich wirken. Impressionen wären ja bereits Klangbilder unserer Empfindsamkeit. Aber Palindrome sind im Gegensatz dazu weit von jeder ästhetischen Formvollendung entfernt. Man findet in ihnen nur Sprachverbiegung: statt Gänsehaut nur Haarsträubendes ;) Im Bemühen, auf Biegen und Brechen einen derartigen sprachlichen Ausnahmezustand zu erschaffen, erhält man halsbrecherische Konstrukte, reine Machbarkeitsstudien, die nichts außer sich selbst tragen: keinen Sinn, keine Botschaften. Der experimentellen Lyrik ist das egal. Jemandem, der nach Inspiration sucht, sicher nicht ...

Man kann es Andreas Kersting also nur danken, dass seine Vertonung alles andere ist, als eine Fortsetzung des Textes mit anderen Mitteln ;) Die Komposition ist eine eigenständige und gelungene Hommage an die Spiegelbildlichkeit auf höherer Ebene:
Sie erhebt die Sprache vom Papier und löst die Worte in ihren überbeanspruchten Bindungen auf. Anders, als es dem Text nach zu befürchten stünde, wird er in dieser sphärischen Entgrenzung tatsächlich zu einem echten Hörerlebnis. Davon aber müsste sich wohl jeder selbst ein Bild machen ;) Ich hoffe sehr, dass sich dazu noch die ein oder andere Gelegenheit bieten wird.
Dem RIAS Chammerchor mit seinen hervorragenden Solisten und Musikern sei für diesen rundum gelungenen Konzertabend gedankt.

Das Foto der Treppenhalle kann gut als Sinnbild dienen, womit man es bei Palindromen zu tun hat. Es sind Wortgebäude, die ausschließlich von ihrer symmetrischen Innenarchitektur geformt und getragen werden. Filigrane Raumschöpfungen, die man mit eigenen Augen gesehen haben sollte, weil jede Deskription nur ein Abglanz des Wesenhaften wäre. Wie aber vertont man Palindrome? Wie bringt man etwas zu Gehör, das sich nur dem Auge erschließt? Vielleicht so, wie man als Besucher in dieser Treppenhalle steht: man lässt sie auf sich wirken. Impressionen wären ja bereits Klangbilder unserer Empfindsamkeit. Aber Palindrome sind im Gegensatz dazu weit von jeder ästhetischen Formvollendung entfernt. Man findet in ihnen nur Sprachverbiegung: statt Gänsehaut nur Haarsträubendes ;) Im Bemühen, auf Biegen und Brechen einen derartigen sprachlichen Ausnahmezustand zu erschaffen, erhält man halsbrecherische Konstrukte, reine Machbarkeitsstudien, die nichts außer sich selbst tragen: keinen Sinn, keine Botschaften. Der experimentellen Lyrik ist das egal. Jemandem, der nach Inspiration sucht, sicher nicht ...
Man kann es Andreas Kersting also nur danken, dass seine Vertonung alles andere ist, als eine Fortsetzung des Textes mit anderen Mitteln ;) Die Komposition ist eine eigenständige und gelungene Hommage an die Spiegelbildlichkeit auf höherer Ebene:
Sie erhebt die Sprache vom Papier und löst die Worte in ihren überbeanspruchten Bindungen auf. Anders, als es dem Text nach zu befürchten stünde, wird er in dieser sphärischen Entgrenzung tatsächlich zu einem echten Hörerlebnis. Davon aber müsste sich wohl jeder selbst ein Bild machen ;) Ich hoffe sehr, dass sich dazu noch die ein oder andere Gelegenheit bieten wird.Dem RIAS Chammerchor mit seinen hervorragenden Solisten und Musikern sei für diesen rundum gelungenen Konzertabend gedankt.
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Dienstag, 11. Juli 2006
Pop-Geschichte
Rock, Hiphop, Funk, Soul, Disco, Reggae, Jazz, Blues, Klassik, Folk, Metal, Gothic, Punk - Musikrichtungen gibt es viele. Aber nur eine in sich palindrome: Pop. Und natürlich denkt man da an Abba, die 1975 mit ihrer gleichnamigen LP und dem darauf enthaltenen Song "SOS" eine absolute Steilvorlage lieferten. Quantitativ jedenfalls lässt sich das eigentlich kaum noch toppen.Sollte das aber tatsächlich schon das letzte Wort in Sachen Buchstabenmystik gewesen sein? Ich sehe einen Hoffnungsschimmer: Die Söhne Mannheims. Schauen wir uns das Cover ihres Debüt-Albums "zion" mal genauer an. Nicht nur, dass darauf bereits der palindrome Name des Folge-Albums "noiz" vorweggenommen wurde, es ähnelt in seiner Form auch einem Magischen Quadrat. Das ist gewissermaßen die Königsdiszplin des Palindromen überhaupt, ein geheimnisvoller Wortwürfel, der mit Ausnahme der Diagonalen in allen Richtungen vorwärts und rückwärts lesbar wäre. Eine versteckte Rahmenvorgabe? Wer weiß ;)

Falls diese palindrome Prophezeiung eintrifft, wäre nach dem 4. Album Schluss. Da ist es naheliegend, dass die Fans beim Spekulieren eher auf Anagramme setzen. Damit ließen sich aus den vier Buchstaben immerhin 24 Variationen bilden. Man darf also sehr gespannt auf das 3. Album sein ...
Nachtrag 24.8.2010: Knapp vorbei ;) Das 3. Album erschien im Juli 2009 unter dem Namen "Iz On".

