Mittwoch, 25. Juli 2007

Johannes Riemer: Schatz-Meister


Riemer, Johannes: Johann Riemers Uber-Reicher Schatz-Meister Aller Hohen/ Standes und Bürgerlichen Freud- und Leid-Complimente : Aus welchem Ohne Lehr-Meister/ Wohl-Redende und Singende/ Das ist/ Oratorische und Poëtische Arthen überaus leichte zu erlernen [...]
Leipzig und Franckfurth, Lunitzius 1681, 735 Seiten






Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: Erwähnung

Johannes Riemer (1648-1714) war ein deutscher Schriftsteller und Theologe der Barockzeit. In diesem Buch schreibt er in einem Kapitel über Anagramme u.a.:
"ANAGRAMMATA müssen PUR und kurtz seyn: sonst haben Sie hinter sich keine Kunst, und von fornen her / wenig GRACE. Damit ein ieder mich recht verstehen kan / wie sie nach meinen Gedancken seyn sollen / so will ich noch ein Blatt voller Exempel geben [ ]"
Einer sich anschließenden Aufzählung lateinischer Anagramme folgt dann:


zitiert im Reprint der Originalausgabe bei de Gruyter 1979: Johannes Riemer. Werke. Band IV., Seite 157f

Sigmund von Birken: Teutsche Rede-bind- und Dicht-Kunst


Birken, Sigmund von: Teutsche Rede-bind- und Dicht-Kunst/ oder Kurze Anweisung zur Teutschen Poesy : mit Geistlichen Exempeln / verfasset durch Ein Mitglied der höchstlöblichen Fruchtbringenden Gesellschaft Den Erwachsenen Samt dem Schauspiel Psyche und Einem Hirten-Gedichte
Nürnberg, Riegel/Gerhard 1679, 530 Seiten






Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: Erwähnung

In diesem Buch finden sich in der Rubrik Anagramme auch die Palindrome Leben - Nebel, Tod - Dot sowie Lieb - Beil. Auf Seite 148f heißt es:
116 Die Letterkehren oder BuchstabWechsel / In Latein Anagrammata genannt / lauffen auch mit in die Redgebänd-Arten / mit ihren Erklärungen. Sie sind aber gleichfalls eine Sinnen-Marter / und klingen übel / wenn sie erzwungen werden. Ist eine uralte Erfindung / und bei den Ebreern schon gebäuchlich / da sie von den Cabalisten Gematriia genennt wird: maßen deren einer einen schönen LetterWechsel aus der H. Schrift hervorbringet. Es muß aber / in dem Wort das man verwechslet / kein Buchstab ausgelassen / noch hinzu gethan / noch verändert werden. [ ] Weil die GesprächSpiele die Teutsche Sprache trefflich ausübet / als kan man sie wol einen Sprachspiegel nennen. Solchergestalt ...

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Christian Knittel: Kurtz-Gedichte


Knittel, Christian: Kurtz-Gedichte/ Nach Anlaß fürgefallner Sachen Und Lusterregter Gedancken : Bey müßigen Musen gefüget/ und nunmehr ans Licht gestellet / Von Christian Knittel/ v. H. a. S.
Franckfurt an der Oder, Ernst 1674, 43 Seiten







Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: barocke Dichtung

In diesem Buch enthalten:

Leben/
Durch Rücklesung/
Nebel.
Gleich dem Nebel ist das Leben:
Wie derselbe bald entsteht/
Und auch wieder bald vergeht;
Also ist/ darin wir schweben
Unsre Zeit/ die eilend fleucht/
Und in einem Nu verstreicht.


zitiert in Althaus, Thomas: Epigrammatisches Barock. Gruyter (1996), Seite 181

Justus Georgius Schottel: Ausführliche Arbeit von der teutschen Haubt Sprache


Schottel, Justus Georgius: 
Ausführliche Arbeit von der teutschen Haubt Sprache
Braunschweig / Christoff Friederich Zilligern / 1663, 1446 Seiten









Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: Erwähnung


Ausführliche Arbeit hat Justus Georgius Schottel auch bei den Palindromen geleistet. Gleich mehrere Dutzend sind in diesem Buch auf Seite 223 verzeichnet:

"Trew / Wert, Law / wal, Man / Nam, Ruh / hur, Wer / rew, Leben / nebel, Gras / sarg, Sol / los, Eis / sie, Her / reh, Thor / roht, Lieb / beil, Esel / lese, Leid / diel, Raab / baar, Was / saw, Neid / dien, Grob / borg, Sieg / geis, Ein / nie, Sorg / gros, Sin / niß, Red / der, Grol / lorg, [...] Lag / gal, Heil / lieh, [...] Kram / mark [...] Soldat / tadlos, Roh / hor, Rap / Par, Sip / pis, Puls / slup, Maas / saam, Bart / trab, Wag / gaw, Klaw / walk, Hew / weh, Vertrag / gartrev, Regen / Neger
Man kan auch die Wörter zurük lesen/ daß sie eben dieselbe dennoch bleiben/ als: Renner/renner: Retter/retter: Nennen/nennen: Nemen/nemen, [...] Süsgirig/girig-süs. Neben/neben"


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Johann-Wilhelm Simlers Teutscher Getichten die Dritte


Simler, Johann Wilhelm: Johann-Wilhelm Simlers Teutscher Getichten die Dritte/ von Ihme selbsten um einen Drittheil vermehrt- und verbesserte Außfertigung [...]
Zürich, Simler 1663, 575 Seiten








Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: barocke Dichtung

In diesem Buch enthalten:

Leben/Nebel.
Was unser Leben sey/ und wie es werd vergehen/
das wörtlein Leben selbst gibt/ deutlich/ zuverstehen
dem/ der es lißt zuruk. Darum sol ieder streben.
nach dem was ewig ist: so wird er ewig leben.


zitiert in Althaus, Thomas: Epigrammatisches Barock. Gruyter (1996), Seite 181

Friedrich von Logau: Deutscher Sinn-Getichte Drey Tausend


Logau, Friedrich von: Salomons von Golaw Deutscher Sinn-Getichte Drey Tausend
Breslau: Baumannische Druckerei 1654









Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: barocke Dichtung

Unter den vielen hundert Epigrammen von Friedrich von Logau (1604-1655) finden sich auch einige, die Palindrome thematisieren:

I,2,85.
Schlaf, umgekehrt: falsch


Der Schlaf heist rücklings falsch; denn er betreugt uns oft,
Gibt Gold im Traume, gibt, wann wir erwachen, Luft.


I,2,92.
Grab, umgekehrt: barg


Wol dem, den bisher barg
Ein Grab für so viel Arg.


I,2,93.
Not, umgekehrt: Ton


Die Not, die ist ein Ton, davon die Augen rinnen;
Nicht viel sind, wann er klingt, die drüber lachen künnen.


I,6,47.
Man, umgekehrt: nam.
Weib, durch Versetzung: bei-w


Nam ihm ein Mann ein Weib, der wohnt bey einem W;
Dann Weh ist täglich Brot auch bey der besten Eh.
Ein ieder hat sein Weh; doch wann ein Mann ihm nam,
So weist sich, daß zum Weh ein neues bei-W kam.


I,7,13.
Rebe, durch Versetzung: Bere, Eber, Erbe


Ob gleich die Rebe trägt dem Eber Haß,
Macht dannoch gleichwol ihrer Bere naß,
Daß mancher Mensch deß Ebers Namen erbe,
Toll und voll lebe, Säuisch endlich sterbe.


I,9,96.
Sued, ein umgekehrter Gott, Deus


Daß die Sueden heissen Götter,
Bleibt wol wahr; sie machten Wetter,
Und mit ihren Donnerkeilen
Kunten Deutschland sie zertheilen.
Götter sind sie, nicht zum schützen,
Aber kräfftig zum beschnitzen;
Götter sind sie, die die Christen
Wenig bauten, sehr verwüsten;
Götter sind sie; ihr berauben
Soll man noch für Wolthat glauben;
Götter sind sie; ihre Plagen
Sollen seyn ein Liebe-schlagen;
Götter sind sie; wahrem Gotte
Als zu Ehren, mehr zu Spotte.


III,2,89.
Trew, zurücke: wert

Treu hat in sich ihren wert,
Wird von iedem zwar begert;
Die sie aber ietzund geben,
Derer sind nicht viel in Leben.

Eine vollständige Ausgabe der Sinngedichte (Tübingen 1872) ist bei zeno.org online verfügbar.

Johann Hemeling: Arithmetische Letter- oder BuchstabWechslung


Hemeling, Johann: Arithmetische Letter- oder BuchstabWechslung. Das ist: Kurtze Anleitung/ welcher massen Anagrammata, Letter- oder Buchstabwechsele zu machen/ und durch Reime zu erklähren [...]
Hannover, Grim[m] 1653, o.S.







Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: barocke Dichtung

In diesem Buch enthalten:

Leben.
Giebt/ rükksweiß geläsen/ wie bey unterschiedlichen zubefinden/
Nebel.
Du Mensch/ beliebet dir zu wissen/ was dein Leben/
Und wie es wird vergehn?
Du kannst es leicht ersehn;
Liß Leben hinterwerts/ so wird dirs antwort geben.


zitiert in Althaus, Thomas: Epigrammatisches Barock. Gruyter (1996), Seite 181

Georg Philipp Harsdörffer: Frauenzimmer Gesprächspiele


Harsdörffer, Georg Philipp: Gesprachspiele : So Bey Ehrn- und Tugendliebenden Geselschaften außzu üben. Dritter Theil
Nürnberg, Endter 1643, 472 Seiten




Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: Erwähnung

Georg Philipp Harsdörffer lebte von 1607 bis 1658. Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Assessor arbeitete er als Schriftsteller, Übersetzer und Wissenschaftler. Er gilt als einer einer der wichtigsten Autoren des Barock und gründete 1644 mit Johann Klai den Nürnberger Dichterkreis. Seine Dichtung kennzeichnet sich durch gelehrte und manchmal verspielte und übersteigerte poetische Formen. Dazu gehören Anagramme, wie sie u.a. auch im 3. Teil seiner "Frauenzimmer Gesprächspiele" enthalten sind:
Cassandra: Koennen wol mehrerley Woertlein auß einem gezwungen werden?
Reymund: Leichtlich / wann selbe auch wenig Buchstaben haben. Zum Exempel:
Lieb: Beil
Es ist kein Pfeil/ kein Feur / kein Seegen oder Zangen /
Es ist ein hauend Beil / die Lieb und ihr Verlangen.
Angelica: Lieb : Leib
Die Lieb ohn Gegenlieb pflegt nicht lang zu bestehen /
Gleichwie deß Menschen Leib ohn Speise muest vergehen
Vespasian: Lieb : Bley
Die Lieb verraeht sich selbst und weiset daß sie sey /
Geschwind zerschmolzen Erz / und bald erkaltes Bley.
Julia: Lieb : Ubel
Wann man die Lieb versetzt / so kom das Ubel rauß /
Wer nicht bestaendig liebt / der haelt ihm uebel Hauß
Degenwert: Lieb
Leib: Ubel i in ü verwechselt
Beil: Bley i in y verwechselt
Die Lieb in unsrem Leib / heißt Ubel mancherley /
Bald ists ein schneidend Beil / bald gantz erstartes Bley.
Cassandra: Es hafftet in der Lieb nicht viel Bestaendigkeit /
Weil sein gar kurzer Nam so manchen Wechsel leidt.1

Die neuere Literaturforschung hat die Anagramm-Dichter des Barock offenbar wiederentdeckt und zu neuen Ehren erhoben:
- 1997 Balogh, Endre: Deutschsprachige Poetiken im 17. Jahrhundert
- 2000 Hundt, Markus: "Spracharbeit" im 17. Jahrhundert. Berlin; New York: de Gruyter
- 2002 Goebel, Eckart & Koppenfels, Martin von: Die Endlichkeit der Literatur. Akademie Verlag

Dass dies nicht immer so war, zeigt das "Handbuch einer allgemeinen Geschichte der Poesie" von 1833:
"je mehr die bestehende Welt ihre Formen zerbracht, um so mehr musste sich der Geist in seine Innerlichkeit flüchten, um hier durch den Gedanken des Ewigen im Strudel der Verwüstung die Kraft zur muthigen Ausdauer im Wechsel zu erhalten. Auf der anderen Seite musste aber ein solcher Verlust auch dazu führen, theils mit kalten Witz in äusserlichem Spiel der Phantasie, theils mit einer elegischen Wehmuth in sanften Gefühlen eine Befriedigung zu suchen. Dies geschah in der Nürnberger Schule der Pegnitzschäfer. Sieht man auf die Diction derselben, so ist das Bestreben, sich Opitz anzureihen, bei ihren Dichtern unverkennbar; aber der Inhalt nahm eine ganz andere Richtung; die Poesie wurde matt, süsslich und tändelnd. Als Repräsentant der weltlichen Frivolität und leeren Spielerei mit Witzen und abgeschmackt allegorischen Vergleichungen ist hier G.P. Harsdörffer, gest. 1658 anzusehen."2

____________________
1 zit. nach Paul Fleming in Goebel, E. & Koppenfels, M. (Hrg.): Die Endlichkeit der Literatur, Akademie Verlag 2002, Seite 35f
2 Rosenkranz, Karl: Handbuch einer allgemeinen Geschichte der Poesie. Halle: Eduard Anton 1833, Seite 359

Georg Rodolf Weckherlins Gaistliche und Weltliche Gedichte


Weckherlin, Georg Rodolf:
Gaistliche und Weltliche Gedichte

Amsterdam, Jansson 1641, 285 Seiten









Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: barocke Dichtung

Georg Rodolf Weckherlin war ein höfischer Lyriker der Spätrenaissance und lebte von 1584 bis 1653. In diesem Buch enthalten:

Mensch/ wilt du wissen was dein Leben?
So merck das Wörtlin Leben eben:
Liß es ruck/ so würstu sehen/
Was es/ und wie es thut vergehen.


zitiert in Althaus, Thomas: Epigrammatisches Barock. Gruyter (1996), Seite 84

Johann Vechner: Klagegedicht


Paul Flemings deutsche Gedichte
herausgegeben von J.M. Lappenberg. II.

Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart 1865









Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: barocke Dichtung

In dieser Ausgabe von Flemings Gedichten sind auch Texte von und über seinen Freund Georg Gloger enthalten, der 1631 starb. In einem der Klagegedichte, die zu dessen Tod entstanden, klingt das Wortspiel Nebel - Leben an (S. 679):
Wie wunderlich ists doch mit aller Menschen Leben,
Es lebt und lebt auch nicht, es schwebt und kan nicht schweben;
   Im Himmel lebts allein, hier stirbt es und versteubt,
   Wo dieses sterben kan, was nach dem Himmel treibt.
Doch heißts gestorben hier. Wol, aber wol, der Sterben
Wenns hier geschicht, nicht acht; noch seliger, der erben
   Mit Sterben wil bey Gott. Das Leben in der Welt
   Ist doch nichts als nur Wind und Neben, der da fehlt
Und itzt vergeht auch. Lies L e b e n nur zurücke,
So wirstu sehen balt die schlimme Nebelbrücke,
   Auf der, was Mensch heißt, trutzt. Ein Nebel, Rauch und Staub,
   Den Nord und Ost verschluckt in sich, ein leichtes Laub,
Wenns von den Bäumen fleugt, ist Menschengeist auf Erden.
Und was man Leben nennt, der Leib muß Asche werden,
   Das Leben leben ab alhier; und muß dich ein
   (Obs gleich die Sinnen bricht) zu eitel Sonnenschein,
Wenns nemblich hier ist todt. Wer wolte denn gedenken,
Es sey Verbleiben Angst? Angst, Zittern, Furcht und Krenken,
   Dem Leben legt man zu; der Tod ist Leben, Tod
   Ist eine Rettung nur aus vieler Pein und Noth.
Der Tod giebt Ewigkeit: das Leben kan nicht haben,
Was immer bleiben muß, wen nicht zuvor vergraben
   Sein Haus, der Körper, ist. Drumb freuet euch mit mir,
   Wenn ihr vom Tode hört; des Lebens gröste Zier
Bringt unser Gang ins Grab; der Gang ins Grab macht schweben
Da wo Gott ewig leben und leben wil. Das Leben
   Ist Übel in der Welt, im Himmel Ewigkeit,
   Die auch Herr Glogern itzt zu seinen Füßen leit.
Johannes Vechnerus, Sprottaviensis Silesius

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Wolfhart Spangenberg: Anmütiger Weißheit LustGarten


Spangenberg, Wolfhart: Anmütiger Weißheit LustGarten : Darinnen die Vornemesten/ der Teutschen Nation bekandte/ Bäume; sampt anderen Außländischen/ in ihrer Art/ Natur und Eygenschafft: beneben Hieroglyphischen Bildnüssen ... ordentlich gepflantzet und gesetzet / Erstlich von ... M.Martino Mylio/ Rector der Schulen zu Görlitz/ in Lateinischer Sprache beschrieben: und under dem Titel: Hortus Philosophicus: in Truck gegeben. Nun aber ... in unser Muttersprach versetzt/ und darneben vermehret und gebessert: Durch Lycosthenem Psellionoros/ Andropediacum
Straßburg, Carolus 1621, 763 Seiten










Psellionorus Andropediacus ist das Pseudonym von Wolfhart Spangenberg, der das von Martin Mylius verfasste "Hortus philosophicus" (Görlitz 1597) ins Deutsche übersetzte und ergänzte. In diesem Buch von 1621 findet man die ersten Palindrome im Deutschen, die nicht dem Lateinischen entlehnt sind:
Sprichwörter vom Garten.

G A r t e n  s o l l  m a n  w a r t e n) wer eines dinges genießen will / der muß desselben auch in acht nemen und fein pflegen. Soll ein Garten Fruchtbar sein so muß man ihn bawen und pflantzen.
D e n  B o c k  z u m  G a r t n e r  m a c h e n) Das ist / einem einen Befehl oder Ampt aufftragen und ubergeben / deme er mehr schädlich als nutzlich ist. Wie dann der Bock den Garten ein schädlich Thier ist: was er benagt / dasselb verzagt oder verdirbt.
G a r t  w e n d e  d e i n e n  N a h m e n) Diß wird zu eim gesagt/ der seines Ampts und Beruffes eingedenck sein soll. Dann so man den Nahmen Gart/ umbwendet oder hindersich lieset / so heist es Trag / das ist / Fruchtbar sein. Als man sagt / der Garten trägt gut Graß und Obs. Auff gleiche weise sagt man: O Mensch bedenck dein Leben / hindersich: so laut als dann das wörtlein leben / nebel. Und ist so viel gesagt / bedenck das es vergänglich ist / und bald vergehet als ein Nebel oder Dampff / wie S. Jacob in seiner Epistel cap 4. v. 14. sagt.1
E i m  e i n  S t e i n  i n  G a r t e n  w e r f f e n) Das ist einem ein solchen dienst thun der nit viel nutzet und wo under wegen bliebe: dann Steine seind nit nutzlich im Garten. Diß Sprichtwort pflegt man offt schertzweiß für empfangne Gutthat zusagen / wolan ich will dir zu danck widerumb ein mahl ein Stein in Garten werffen.

zitiert im Reprint der Orginalausgabe bei de Gruyter 1982: Sämtliche Werke. Band V., Seite 142f

_________________
1 Die besagte Bibelstelle bei Jakobus lautet: "Woher wißt ihr denn, was morgen sein wird? Was ist euer Leben? Es gleicht einem leichten Nebel, der vom Boden aufsteigt und sich sogleich wieder auflöst."

Kolmarer Liederhandschrift


Bartsch, Kurt: Meisterlieder der Kolmarer Handschrift
Stuttgart, literarischer Verein 1862, 734 Seiten










Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: Erwähnung

Die um 1460 entstandene Kolmarer Liederhandschrift enthält eine umfangreiche Sammlung von Sprüchen und Liedern in der Tradition der Sangspruchdichter des 12. und 13. Jahrhunderts und gilt als eine der bedeutendsten Liederhandschriften des Mittelalters. 1546 wurde sie von Jörg Wickram, dem Gründer der Meistersingerschule zu Kolmar, käuflich erworben und befindet sich heute im Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek in München (Cgm 4997). Man findet in ihr zwei Passagen, die sich mit der Palindromkonstellation Eva - Ave befassen. In diesem Buch auf Seite 445:
und Seite 453:


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Marienhymnus Ave maris stella


Fallersleben, August Heinrich Hoffmann von: Geschichte des deutschen Kirchenliedes bis auf Luthers Zeit. nebst einem Anhange in dulci iubilo, Nun singet und seid froh
Hannover, Carl Rümpler 1861, 540 + 128 Seiten








Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: Erwähnung

Bei "Ave maris stella" handelt es sich um eines der ältesten Marienlieder. Der lateinische Text stammt neueren Erkenntnissen nach von Ambrosius Autpertus, einem Mönch, der von 740 bis 784 im Kloster „ad Vultutum“ im Herzogtum Benevent lebte. Die musikalische Gestaltung erfolgte im 11./12. Jahrhundert im Zuge der aufkommenden Marienverehrung. Im Gotteslob findet man den Marienhymnus heute unter Nummer 596, die deutsche Textversion unter Nummer 578. In der zweiten Strophe wird darin das Palindrom Ave - Eva thematisiert:

Du nahmst an das AVE
aus des Engels Munde.
Wend den Namen EVA,
bring uns Gottes Frieden.

Dieses Buch dokumentiert auf Seite 284f eine frühe deutsche Fassung des Kirchenliedes aus dem Mittelalter:
Nr. 147
Ave maris stella


1. Got grüße dich, lichter meres stern,
alleine wirdig got gebern!
ewige jungfraue tugentrich,
selige porta des himelrich!
2. Der Engel hat dich Ave genant,
den namen Eva umbgewant.
mit gotlichem fride vor uns steh,
daß uns kein ubel anegeh!
3. Die bande der sunden frau entbindt!
erluchte uns armen, wir sin blint!
von allem arge mache uns fri!
alleine gutes mit uns si!
4. Erzeige daß du unser muter bist
und bitte den herren Jesum Crist,
der von dir geboren ist,
daß er uns verlihe gnaden frist!
5. Einige jungfrau der niemant glieb,
über alle sanftmutig, tugentrich,
mache uns sanftmutig, kusch und rein,
lose uns von sunden alle gemein!
6. Maria, verlihe uns luter leben!
sichern weg bereite uns eben!
so daß wir Jesum mit der schauwen
und uns ewig mit dir frauwen.
7. Lop si dem vater und dem sone
Christo hohe zierde schone,
dem heiligen geiste dank und ere
vor und nu immermere!

PpHs. 1460 fol. Nr. 47 Bl. 66b und 90b in der Bibl. des kathol. Gymnasiums zu Köln

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Bruder Hansens Marienlieder


Minzloff, Rudolf (Hrg.): Bruder Hansens Marienlieder aus dem vierzehnten Jahrhundert. nach einer bisher unbekannt gebliebenen Handschrift der kaiserlich oeffentlichen Bibliothek zu St. Petersburg
Hannover, Hahn'sche Hofbuchhandlung 1863, 364 Seiten







Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: Erwähnung

Ein mittelhochdeutscher Text, in dem die palindrome Beziehung von Eva und Ave zur Sprache kommt:

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Hugo von Trimberg: Der Renner


Hugo von Trimberg: Der Renner.
Ein Gedicht aus dem XIII. Jahrhunderte

Bamberg, J. C. Dresch 1833, 277 Seiten









Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: Erwähnung

Hugo von Trimberg war ein Schriftsteller des späten Hochmittelalters und lebte ungefähr von 1230 bis 1313. Sein Hauptwerk ist das um 1300 entstandene Epos Der Renner. Dieser umfasst die unglaubliche Anzahl von 24.600 Versen! Einer davon beschäftigt sich - ähnlich den Marienliedern dieser Zeit - mit der heilsbringenden Umkehrung von Eva - Ave:


Eva, der erste Frauennam'
bracht uns in Sünde und in Scham.
Das Wort, nur umgekehrt
hat unser Heil gemehrt.
Ave, das süße Wort,
bracht uns aller Freuden Hort,
Eva bracht uns in den Tod,
da half uns Ave aus der Not,
Ave, Marias heiliger Gruß
mache uns alle Schwere bloß,
Der Buchstaben sind es nur drei,
sie machten uns eigen und frei.




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